Gott mit Gebeten bezwingen

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Es gibt Christen, die mit ihren Gebeten Gott zwingen wollen, ihre Wünsche zu erfüllen – und das hat aber nicht mehr viel mit Gebet als Ausdruck der Beziehung zu tun, sondern mit Magie. Gott tritt an die Stelle der magisch überwundenen Mächte, mit magischen Worten und magischen Handlungen versucht man, ihn in die Hand zu bekommen. Ein weiteres Mittel ist auch die Forderung zu glauben: Wer glaubt – der kann alles – und wenn es nicht klappt, dann glaubt der Mensch nicht fest genug. Oder: Wir müssen im Namen Jesu beten – das ist so eine Art Schlüssel, dass Gott tut, was wir wollen. Oder: Wir müssen nur furchtbar demütig vor Gott erscheinen, dann wird er sich von unseren Tränen erweichen lassen. http://www.welt.de/gesundheit/article106352114/Christen-beten-fuer-Kranke-und-geben-ihnen-Schuld.html

Das ist schon eine uralte Verhaltensweise von gottängstlichen Menschen. Man möchte den selbstgemachten Glauben an den mächtigen Gott nicht verlieren – und sucht darum die Schuld im Menschen, wenn Gott in seiner Macht nicht wirkt. Im Neuen Testament finden wir auch schon den einen oder anderen Text, der das Denken fördern kann. Diese Art Dämonen, heißt es, fährt nur aus durch Fasten oder Beten, das Gebet des Glaubenden vermag viel, man muss Gott mit Gebeten bestürmen – und dann wird er doch irgendwann klein beigeben…

Natürlich können wir diese einzelnen Texte kritisieren – wir können aber auch etwas anderes sehen: Diese Texte sind ein Teil des Gesamten. Sie sind nur eine Nuance der gesamten Beziehung zwischen Mensch und Gott und Gott und Mensch. Wir können Gott bestürmen mit unseren Nöten – dazu gehört aber auch, sich in seine Hand fallen zu lassen. Wir können unser ganzes Vertrauen auf Gott setzen – wir können klagen, wenn Gott unser Vertrauen in unseren Augen nicht gerecht wird – dazu gehört aber auch: Sich in Gottes Willen auszuruhen, in seiner Liebe zur Ruhe zu kommen, auch wenn mein Wille sich nicht durchsetzen sollte. Wir haben das christliche Hochgefühl, Berge versetzen zu können, gleichzeitig wissen wir, dass wir keine Berge versetzen müssen, sondern Gott die Berge überlassen und nur das Unsre zu tun. Wir haben das Gefühl, alles ist gefüllt mit Gottes großartiger Schöpfungsmacht, seiner Fülle, seinem Licht, seiner Wärme – und gleichzeitig können wir Gott nicht sehen, nur Leere, Finsternis, Kälte. Und dann sehen wir, dass wir es sind, die herausgefordert werden, die Leere zu füllen, Licht zu schenken, Wärme zu geben. – Und das auch dadurch, dass wir für Menschen beten, sie segnen, ihnen von Gottes Kraft durch uns hindurch abgeben.

Was mir an Jesus so gefällt, ist, dass er anderen Menschen das weitergegeben hat, was er von Gott an Taten erwartete. Und damit ist unsere Aufgabe in der Nachfolge beschrieben. Das heißt nicht, dass Gott nicht handelt und wir uns ganz auf unsere menschliche Kräftchen verlassen sollen. Nein, sondern mit Gott im Herzen, mit Gott als Lenker des Verstandes – ihm folgen. Selbst in die Situation hinein, in der am Ende der Ruf Jesu steht: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. — Was hat man dann von Gott? Manchmal: Nichts. Aber muss man etwas von Gott haben – langt es nicht zu ahnen, dass Gott uns hat? Ich weiß, nicht immer genügt das. Ein Lebensweg mit Gott einüben – das ist das Ziel. Dazu gehört auch die Anerkenntnis: Wie Gott uns den freien Willen geschenkt hat – so sollten wir Gott auch seinen freien Willen lassen. Das fällt uns Menschen schwer. Sehr schwer. Gott sei Dank: Hat er uns seinen freien Willen in Jesus Christus gezeigt.

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