EKD-Bekenntnisse + Kollektivschuld

Das ist ein Artikel, der es in sich hat: http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M55e874469dc.0.html – weil er so manches anspricht, das uns Evangelen nicht passen wird, so die Aussage, dass wir – wie der Pharisäer im Gleichnis Jesu – unsere Frömmigkeit zur Schau stellen und gleichzeitig mit dem Finger auf die anderen zeigen. Ein wenig anders gesagt: Evangelen stehen zerknirscht da und sagen: unsere Schuld, unsere Schuld, unsere Schuld – wehe diesem da, der das nicht auch so sieht wie wir. Bußfertigkeit als Waffe gegen Andersdenkende.

Worum geht es? Um eine Erklärung des Rates der EKD, in der sie gegen Rechtsextremismus Stellung bezieht: http://www.ekd.de/presse/pm88_2012_rechtsextremismus.html

Es werden Selbstverständlichkeiten in der Erklärung ausgesprochen: Christen haben mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit nichts am Hut. Nächstenliebe, Toleranz gilt allen – welchem Menschen auch immer. Wir ergreifen Partei, wenn Antisemistismus wieder sein böses Haupt erhebt. Alles richtig. Nur, was hat das für Konsequenzen? Man ist gegen die Extremismusklausel – wie bitte? Linksextremisten erheben ihr Haupt gegen Juden – aber man soll nur gegen Rechtsextremisten sein? Oder: Was ist, wenn Menschen anderer Religion oder anderer Kultur sich gegen Juden wenden?  Kennzeichen von Christen ist Toleranz und Nächstenliebe – aber was ist, wenn wir hier durch andere Religionen – und nicht durch Rechtsextremisten – herausgefordert werden? Auf diese ganz konkreten Probleme gibt diese Erklärung mal wieder keine Antwort. Theoretisch ist alles wunderschön – doch scheint man in Hannover nicht kapieren zu wollen, dass es in unserer Gesellschaft nicht nach dem Reißbrettprinzip abgeht. Sie haben ja Recht: Wir verteidigen unsere Kultur der Nächstenliebe – aber was ist, wenn nicht allein deutsche Rechtsextremisten gegen das Prnzip mit aller Kunst agitieren, sondern eben andere Religionen und Weltanschauungen ebenso?

„Wir akzeptieren deshalb nicht, dass Migranten und Migrantinnen oder Deutsche mit ausländischen Wurzeln gewaltsam bedrückt und bedrängt werden. Als Christen und Christinnen treten wir dafür ein, dass sie ihre Persönlichkeit entfalten, ihre Kultur und Religion im Rahmen des Grundgesetzes leben können. Damit treten wir auch aktiv ein für die freiheitliche Demokratie in unserem Land.“ . Ganz richtig! Doch was ist, wenn Menschen anderer Religionen gegen ihre eigenen Landsleute aggressiv angehen, weil sie nicht ihren religiösen Vorstellungen entsprechen? Die Bedränger von Ausländern sind vielfach Ausländer selbst. Was dann? Sollen wir die Partei der Aggressiveren ergreifen? Das kann nicht christlich sein – das werden auch die EKDler sagen. Nur: Warum so ein Papier, das der gesellschaftlichen Vielfalt nicht gerecht wird?

Ich wünsche mir ein Papier, das ganz deutlich sagt: Wir sind gegen Linksextremisten, Rechtsextremisten – und andere Extremisten. Wir stehen ein für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit. Wir kämpfen gegen alle mit demokratischen Mitteln, die sich herausnehmen, unsere Gesellschaft der Toleranz und Nächstenliebe zu zerstören, um ihre religiöse und/oder politische Ideologie durchzusetzen.

Wir fordern die Gemeinden auf, wachsam zu bleiben gegen alle nichtdemokratischen Formen, gegen alle Formen, die unsere Freiheit zersetzen!

Nun kann man einwenden: Das muss doch legitim sein, ein Papier gegen Rechtsextremismus zu verfassen, ohne gleich gegen alle Extremismen vorzugehen. Ja. Das stimmt. Nur mit der Ausweitung auf die Gegnerschaft gegen die Extremismusklausel, mit dem Hinweis, auf Islamophobie wird diese Begrenzung auf Rechtsextremismus nicht eingehalten. Denn Islamophob ist ein Schlagwort, um berechtigte Kritik an islamistische Strömungen im Land im Keim zu ersticken. Von daher ist eine ausgeweitete Kritik an dem Papier legitim.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de 

Eine Antwort auf „EKD-Bekenntnisse + Kollektivschuld“

  1. Die Erklärung der EKD, die sich beschwörend einseitig gegen den Rechtsextremismus wendet, ist darum nicht glaubwürdig und der EKD Schaden zufügend, weil sie fixiert ist allein auf eben nur e i n e s von gleichgearteten zahlreichen Übeln in unserem Land.
    Niemandem ist mit solchen Statements gedient, geschweige denn geholfen. Am wenigsten den Christen, von denen in der Erklärung die Rede ist und die tiefer, christlicher und darum weiter denken als die für dieses Papier verantwortlichen KirchenPOLITIKER in Hannover.
    Weil dem so ist, bedarf es derartiger Erklärungen des von Herrn Schneider geführten Rates der EKD nicht!

    „Ich wünsche mir ein Papier, das ganz deutlich sagt: Wir sind gegen Linksextremisten, Rechtsextremisten – und andere Extremisten. Wir stehen ein für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit. Wir kämpfen gegen alle mit demokratischen Mitteln, die sich herausnehmen, unsere Gesellschaft der Toleranz und Nächstenliebe zu zerstören, um ihre religiöse und/oder politische Ideologie durchzusetzen.
    Wir fordern die Gemeinden auf, wachsam zu bleiben gegen alle nichtdemokratischen Formen, gegen alle Formen, die unsere Freiheit zersetzen!“

    Dieser Einschätzung der realen Situation von W.F. schließt sich dankbar an das
    Echolot

Kommentare sind geschlossen.