Sekten+Christen

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Es gibt ein paar Merkmale, die Sondergruppen bzw. Sekten gemeinsam haben können: Elite-Denken, Kontrollsucht, Neuankömmlinge mit Liebe umgarnen, Abkapselung von anderen Individuen und Gruppen, Fanatismus, gesetzliches Festhalten an Vorgaben, Streben nach Macht über andere Gruppen, der: wir retten die Welt Gedanke; die Gottheit ist mit dem Frommen im Grunde identisch: die Gottheit tut, was die Frommen glauben, weil die Frommen glauben, was die Gottheit tut. Gottheit und Fromme beißen sich sozusagen in den Schwanz. Die dämonischen Mächte spielen vielfach eine Rolle, Schwarz-Weiß-Denken, Paradies- oder sonstige Versprechen.

Nun mag man natürlich sagen: Ah, seht da: Die Christen!

Natürlich können auch Christen ideologisch, sektiererhaft sein.

Sie lieben Menschen, die Christen geworden sind – aber sie hassen nicht Menschen, die sich vom Glauben abwenden, sie drangsalieren sie nicht.

Sie lassen auch Gott Freiraum, denn sie haben ihn nicht in ihren Händen, sondern wenden sich ihm zu und legen sich in seine Hände. Gott hat sich uns auch nicht mit der Bibel in die Hände gegeben, so dass wir sagen könnten: Seht, das Wort Gottes in unserer Hand! Er spricht mit uns durch sein Wort. Gott hat sich den Menschen in Jesus Christus in die Hand gegeben – und er hatte nichts Besseres zu tun, als ihn hinzurichten.

Christen haben Regeln und Gesetze – sie wissen aber auch um die Verantwortung, die es gebietet, manchmal Regeln und Gesetze zu übertreten, wenn es um die Liebe geht.

So ganz können wir angesichts der Erfahrungen auch nicht das Böse ignorieren – aber das Böse ist besiegt, hat für Glaubende keine wirkliche Relevanz mehr. Vergebung und Gottesgeist haben das Sagen. Von daher sollte das Schwarz-Weiß denken, das dualistische Element für Christen, Satan / Dschinn contra Gott, keinerlei Bedeutung mehr haben. Sicher hätte das Böse gerne, dass wir ihm dieses Gewicht beimessen. – Freilich muss man sich hier auch vor Ideologisierung schützen, das heißt davor, die Realitäten nicht mehr wahrzunehmen: Das Böse in der Welt hat natürlich Macht, die Gedanken zu fesseln, Angst einzuströmen, den Menschen von Grund auf zu erschrecken. Das darf nicht geleugnet werden. Aber wir haben die Möglichkeit, uns immer wieder von Gottes schützenden Armen bergen zu lassen.

Wir als Christen haben auch den Glauben, dass Gott uns in Jesus Christus nach dem Sterben empfängt – aber er ist so frei, auch Menschen zu empfangen, von denen wir es ganz und gar nicht erwartet hätten.

Und Elite-Denken scheint nicht fern, wenn wir uns als geliebte Kinder Gottes ansehen. Aber wir sehen nicht nur uns als solche an, sondern auch diejenigen, die noch nicht wahrhaben wollen bzw. können, dass sie von Gott geliebte Kinder sind.

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