Ukraine

Das ist eine recht festgefahrene Situation: Die Ukraine geht davon aus, dass es mit der Verurteilung von Timoschenko rechtlich einwandfrei ist, und Timoschenko eine gute Public-Relation-Frau ist. Der Westen geht davon aus, dass Timoschenko eine leidende Frau ist, die nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln verurteilt wurde. Wenn nun die ukrainische Regierung nachgibt, greift sie entweder in die Rechtsprechung ein, macht sich damit zum Unrechtsstaat, oder sie gibt zu, dass das Urteil politisches Urteil war. Wenn sie das zugibt, dann ist sie wirklich über ihren Schatten gesprungen – ich vermute aber, sie kann es nicht zugeben.

Was nun? Helfen die Boykottdrohungen wirklich weiter? Sind sie Teil der Emotionalisierungskampagne? Statt dass nun alle möglichen altbekannten Boykott-Leute (Gabriel, Röttgen…) ihren Senf dazugeben, sollte auf diplomatischer Ebene ein Weg gefunden werden. Das ist es doch, was wir nicht mehr wollen: Kanonenboot-Politik – auch keine verbale Kanonenboot-Politik. Ich vermute, der Bevölkerung der Ukraine wäre ein solches Fest wichtig – sollte man es ihr wegen der Regierung nehmen? Vor allem: Timoschenko weiß, was sie zu ihren Gunsten tun kann – würde jeder machen. Ich muss freilich auch sagen, dass ich von Anfang an der jetzigen Regierung auch misstraut habe.

Ich schrieb das Vorangegangene übrigens, bevor ich das gelesen habe: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/eva-herman/tymoschenko-der-kalte-krieg-um-die-gasprinzessin.html

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