Islam und Islamismus 1

Wieder so ein Text, der alle möglichen Dinge miteinander vermischt: http://www.wissen.de/islam-und-islamismus-ein-gegensatzpaar Da zieht eine muslimische Familie ins Nachbarhaus ein. Nun dürfe man nicht sofort denken, das seien Islamisten, denn es gibt ganz unterschiedliche Interpretationen des Koran. Soweit kann man noch folgen. Denn das gehört sich so, dass man Menschen nicht gleich ins negative Schublädchen steckt.

Aber dann gibt es innerhalb des Textes eigenartige Argumente: Islamisten lehnen sich eng an religiöse islamische Texte an – und es gibt Texte, die nur schwer mit unseren Vorstellungen von Menschenrechten übereinstimmen. Klar, möchte man sagen. Gut, so ist es. Nur: Lehnen sich nur Islamisten eng an die religiösen Texte des Islam an? Was würde da der normale Muslim zu sagen, der sich eng am Koran und an Hadithe anlehnt? Glaubt er, er sei Islamist? Natürlich nicht. Denn das, was wir Islamismus nennen, ist immer verbunden mit einer Form von Gewalttätigkeit, nicht damit, ob sich ein Muslim enger oder weniger eng an den Koran hält.

Und dann müssen natürlich wieder die obligatorischen christlichen Evangelikalen herhalten: Evangelikale Christen seien Leute, die die Bibel wörtlich auslegen und Evolutionslehre ablehnen – und versuchen sie, aus Schulbüchern zu verbannen. Und diese seien ja auch keine unverfälschten Christen, sondern werden von der Mehrheit abgelehnt. Ich denke mal, dass sich Evangelikale anders einordnen würden. Was mir im Augenblick nicht wichtig ist. Wichtig ist, dass hier wieder Evangelikale mit Islamisten in Verbindung gebracht werden. Und das wird intensiviert. Es werden gewalttätige Aussagen des Islam angesprochen (Selbstmordattentat, Steinigung, Handabhacken) und dann wird gesagt, dass der Koran Anwendung von Gewalt nur in bestimmten Fällen rechtfertige –  aber: Steinigungen habe es auch im Judentum und Christentum gegeben. Kreuzzüge seien auch gewalttäig gewesen, und eine Nonne habe gesagt, dass es in der Bibel mehr Gewalt gäbe als im Koran und dass der Islam sich mit dem Schwert aufgedrängt habe, sei westliche Fiktion seit den Kreuzzügen – „als es aber westliche Christen waren, die brutale heilige Kriege gegen den Islam führten“. Was will uns das sagen? Evangelikale, die sich an der Bibel anlehnen, dürften somit grausamer sein als Islamisten? Das wird intendiert, gesagt wird aber: Die Christen insgesamt sind genauso böse (Steinigungen damals, Kreuzzüge damals) – sind wie der Islam, ja, noch schlimmer. Man kann gar nicht so viel schreiben, um all diese Falschheiten historisch sachlich widerlegen zu können. Jede dieser Aussage hat mindestens einen Fehler. Kreuzzüge waren unter anderem Kriege zur Verteidigung von Byzanz vor den anstürmenden – Friedensmenschen? Die ganzen Nachfolger Mohammeds, die die Welt erobert haben, die sich überlegten, wie man es machen könne, dass die Beute gerecht aufgeteilt werde – alles friedvolle Leute? – Und zwar schon Jahrhunderte vor den Kreuzzügen? Das ist alles Unfug von Anfang bis Ende, was in diesem Text von sich gegeben wird.

Und dann muss man doch wieder die Frage stellen: Was haben die Ereignisse von vor 1000 Jahren mit den Islamisten heute zu tun? Schlicht und ergreifend gar nichts. Heute sind Islamisten gewalttätig – und es gab Zeiten, in denen Menschen im Zuge des Christentums auch gewalttätig waren. Aber haben sie sich zu Recht auf Jesus Christus bezogen? Kann man sich auf Jesus beziehen, wenn man gewalttätig sein will? Nein. Und Evangelikale beziehen sich auf Jesus Christus (siehe Bergpredigt) als Maßstab ihres Verhaltens und nicht auf gewalttätige Stellen in der Bibel. Es gibt heute nur Wirrköpfe, die meinen, sie könnten Gewalttaten von Jesus Christus her legitimieren. Und wie ist es bei den Islamisten? Wie gut kann man sich hier auf den Koran und die Hadithe berufen! Und dann wird über die verschiedenen Möglichkeiten gesprochen, den Satz  „es gibt keinen Zwang in den Religionen“ auszulegen. Manche sähen diesen als aufgehoben an, manche interpretieren das so und so, und das zeige, dass man den Islam nicht von historischen Texten her verstehen könne. Obgleich wenig vorher gesagt wurde, dass sich die gesamte Auslegung eng an den Korantext anlehne – anders als bei der Bibel. Das zuletzt genannte ist nun wieder richtig. Es wurde viel gesagt – aber alles immer nur apologetisch, Islam verteidigend. (Fortsetzung Islam und Islamismus 2)

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