Schlicht dummer Oberschlaumeier

Es tut mir Leid, aber dieser Artikel auf pi – ist „schlicht dumm“ – um den Autor zu zitieren. Denn was er da an Unkenntnis über den christlichen Glauben zeigt, zeigt uns, dass er erst einmal ein wenig Unterricht in diesen Fragen genießen sollte. Zum Beispiel: Der heilige Geist schwängert Maria – das ist hahnebüchene üble Falschaussage, denn der heilige Geist ist schon in der Schöpfungsgeschichte die Schöpferkraft Gottes nicht die heidnische Zeugungskraft, die eines Zeus! Und die Aussagen zur Gottessohnschaft Jesu – ich habe schon klügere Antibekenntnisse gehört als „Jesus war gewiss nicht Gottes Sohn“. Damit sind wir bei der Schöpfung: Sicher, es bleibt niemandem verboten, die Schöpfungsgeschichten der Völker und Religionen als Unfug zu bezeichnen. Denn Menschen machen sich nun einmal Gedanken darüber, wie alles kommt: Warum gibt es das alles? Und dieser überhebliche Zeitgenosse, der den Artikel geschrieben hat, soll sich mal an seine eigene Nase packen: Urknall – es knallt etwas im Nichts und entwickelt sich dann – und zwar so sehr, dass Materie auf einmal zu leben beginnt! Unsere Nachfahren werden sich – je nach neuem Weltbild – über diesen Unfug schlapp lachen. Wir haben nicht das Recht, das eigene Weltbild auf den Götzensockel zu stellen. Was heißt: Wir haben nicht das Recht – natürlich haben wir das Recht dazu. Aber wer es macht, muss wissen, was er macht, ansonsten macht er sich selbst lächerlich. Und der Autor hat wohl noch nie etwas davon gehört, dass Religion Welt deutet – und somit ist auch die Deutung des Sühnetodes Jesu nicht einfach nur Blödsinn, sondern sie hat bewirkt, dass der Mensch endlich von seinen Opfern lassen konnte. Der glaubende Mensch benötigt seit Jesus keine Sühnopfer mehr, weil er in Jesus Christus dieses Opfer erkennt. Nun mag der Oberschlaumeier einwenden: Aber Buddhisten haben auch keine Opfer mehr. Quatsch mit Soße: Der Buddhismus hat sich vielfach mit anderen Religionen vermischt und darum deren Praxis übernommen. Auch in der Antike gab es einzelne Menschen (schon im AT), die Opfer abgelehnt haben – aber sie kamen im Grunde nie darüber hinweg. Das geschah für eine größere Gruppe erst mit dem christlichen Glauben. Das bedeutet: Die alten Religionen haben mehr Menschenkenntnis als eine gegenwärtige Eintagsfliege, die kurz mal meint, sich über Religionen lustig machen zu müssen, bzw. meint, allen ihre Unwissenheit kundtun zu müssen. http://www.pi-news.net/2012/03/transzendale-irrungen/#more-246990 Wenn die Aussagen zum Christentum schon von Unkenntnis und darum von reiner Polemik strotzen, wie sehr die Aussagen zu anderen Religionen? Das mögen andere beurteilen.

Ich finde es übrigens auch ätzend, wenn einer den Islam verteidigend oder angreifend keine Ahnung vom Islam hat. Und das gilt auch für die Darlegung des Christentums. Aber viele Humanisten (hier kann man wirklich sagen: selbsternannte) sehen es im Grunde auch nicht mehr für notwendig an, sich ernsthaft mit Religion zu beschäftigen. Dann haben wir nur das Problem, dass sie als Dialogpartner keine Rolle spielen. Denn eine Grundregel der Kommunikation besteht darin, einander als Menschen ernst zu nehmen, auch wenn man seine Ansichten nicht teilt.

Nun kann man natürlich als cooler Atheist oder sonstwas sagen: Warum so heftig, WF? Wie würde ein Mathematiker reagieren, dem man allen Ernstes weismachen möchte, dass 2+2=5 ist? (a) Er würde versuchen, sachlich zu klären, dass der andere irrt; (b) er würde, wenn der andere darauf insistiert, verwirrt sein, (c) er würde sich lachend abwenden und sagen: Geh noch einmal zur Schule… (d) er würde dem anderen verdeutlichen, dass er – nun ja – doch ein wenig neben der Spur ist. Nun, so eine Mischung von allem ist in meiner Reaktion zu finden, denke ich. Wenn ein Mathematiker dem Irrenden sagen darf: Kümmere dich erst einmal um das, was es mit 2+2 auf sich hat, dann darf doch auch ein Glaubender sagen: Mensch, kümmere dich erst einmal um das, was Sache ist, bevor du irgendetwas in die Welt setzt. Man kann dem Christen nicht sagen: Du reagierst wie ein Muslim, der sagt: Du hast ja gar nichts verstanden. Das ist ein Totschlagargument. Jeder sagt dem anderen, wenn er mit ihm nicht übereinstimmt: Du sagst etwas, das falsch ist. Der Mathematiker wie der Religiöse. Warum soll der Religiöse das nicht sagen dürfen? Und wenn einer, ob Mathematiker oder Muslim, mir sagt: Du hast es falsch verstanden, dann muss ich mir eben die Mühe machen, es zu überprüfen – und das gilt auch für Aussagen über religiöse Sachverhalte (z.B. das oben zur Interpretation von Heiligem Geist und Schöpfung Gesagte).

Was ich witzig finde: Einer schrieb, man soll (im Unterschied zu den Gott-Gläubigen) dem Lehrer nicht glauben, dass 2×2= 4, denn es ist ja 4. Lieber Mensch, der so weise ist: Dass 2 x 2 = 4 ist, ist eine Festlegung in dem Sinne, dass ein Zeichen (2) und noch ein Zeichen (2) verbunden mit einem anderen Zeichen (x) und wieder einem Zeichen (=) das Zeichen (4) ergibt. Hätten unsere Vorfahren dafür andere Zeichen verwendet, dann wäre eben x v x b 5 (also 2 x 2 = 4). Man muss diese Zeichenkombination erst dem Lehrer und dem Lehrbuch glauben und dann lernen. Denn das System würde auch mit ganz anderen Zeichen funktionieren. So einfach wie manche es sich zum Thema Glauben und Religion machen, ist es nicht.

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