Sonntag 2

Auf pi finden wir ein Interview mit Hans Peter Raddatz. Ein sehr pessimistisches Interview. Am Liebsten möchte man Herrn Raddatz empfehlen, ein paar Wochen frische Luft zu holen, in den Bergen und an der See herumzuwandern. Er sieht alles ziemlich verkrampft – so empfinde ich das. http://www.pi-news.net/2011/09/raddatz-demokratischer-faschismus/#more-209206

Meine Stellung: Eine Gesellschaft lebt vom Austausch der Meinungen, mal haben die eine Mehrheit, mal jene. Mal haben die Einen Medien und Macht auf ihrer Seite – mal die anderen. Es ist ein ständiges Verwirbeln, es herrscht Durcheinander, Gesellschaft ist chaotisch. Menschen denken, Menschen lenken, Menschen die denken, sie lenken, denken oft nur, dass sie lenken. Menschen, die nicht müde werden zu agieren, obwohl sie denken, dass andere lenken, beginnen zu lenken, ohne es zu denken. Was will ich damit sagen? Jeder soll das Seine dazu beitragen, dass die Welt besser wird. Jeder hat da jedoch sein eigenes Rezept. Und vielleicht findet das Rezept immer mehr Anhänger, vielleicht auch nicht.

Die Geschichte des christlichen Glaubens ist auch eine Lehrmeisterin gegen die Resignation und den Pessimismus:

a) eine kleine verfolgte Minderheit kann sich (gewaltlos) durchsetzen, wenn sie ehrlich, sozial ist und tapfer in Gottes Spuren geht, an ihm glaubend festhält, sich von ihm leiten und stärken lässt;

b) auch wenn es lange dauert – und viel mächtigen und niederträchtigen Widerstand hervorruft, wird sich Gottes Wille immer wieder auf einer höheren Ebene durchsetzen (s. Nationalsozialismus und Kommunismus sind vergangen, der Glaube an Jesus Christus erstarkte, in Islam-Staaten regen sich trotz massiven Bedrängnissen viele Christen). Gott hat Geduld mit uns Menschen – warum sollten wir keine mit unseren Mitmenschen haben?

c) Menschen haben im Grunde ihres Herzens Sehnsucht nach Ehrlichkeit, sozialem Engagement und Gottes Willen; man muss sie locken, diese Sehnsucht auch in die Tat umsetzen – was dieser Mann aus Nazareth im Staub und in der Hitze Galiläas vor 2000 Jahren auch getan hat und damit trotz aller Anfeindungen, Verfolgungen usw. eine unvergängliche Bewegung hervorgerufen hat. Gott hat Liebe zu den sehnsuchtsvollen und vor lauter Sehnsucht überall herumirrenden Menschen – warum sollten wir keine Liebe haben?

d) Man muss also weiter schauen können als nur auf die Fehler der kleingeistigen Zeitgenossen – auch wenn sie sich noch so aufplustern, sei es mit Machtgehabe, mit Geldausgabe, mit hysterischem Geschrei und blinder bzw. kalkulierter Gewalt; darüber hinaus sollte man sich bewusst sein: Alle suchen nach dem besten Weg und man kann mit ihnen fröhlich und munter aber auch zornig angesichts all der ideologischen und religiös-ideologischen Borniertheit den Weg suchen helfen;

e)  manchmal ist es besser, sich die Zeitschrift Landlust http://www.landlust.de/ oder wie sie alle heißen zur Hand zu nehmen oder auf einen Mittelaltermarkt zu gehen, die kleinen alltäglichen Straßen- und Volksfeste genießen, die KünstlerInnenausstellungen, Landfrauengruppen, Gottesdienste und Gemeindefeste – da bekommt man einen ganz anderen Blick auf die Bevölkerung als wenn man nur auf diese kleinen medialen und politischen Schreihälse schaut.

f)  Wie sagte der große Theologe Karl Barth (der auch dem Nationalsozialismus und den ihm zugeordneten falschen Christen die Stirn bot): Es wird regiert – Gott ist es, der seinen Menschen immer wieder auf die Finger klopft, mit Not und Schmerzen – und sie werden immer wieder zur Besinnung kommen – bis er selbst alles zur Erfüllung bringen wird. Bis dahin tun Christen das, was sie in Gottes Namen für richtig halten.

g) Ich wünsche Euch dazu Gottes Segen.

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