PID

Der Bundestag wird bald über PID entscheiden. Dazu die Aktion einer Anwaltskanzlei: http://www.kath.net/detail.php?id=32068 und der Kirchen: http://www.pro-medienmagazin.de/politik.html?&news[action]=detail&news[id]=4161. Meine Meinung:

(a) Das betrifft mit den Eltern nur einen sehr, sehr kleinen Personenkreis (oder geht es auch um Wissenschaftler, die sich hier weiter gehend profilieren wollen?),
(b) und das erlaubt meines Erachtens nicht, hier solche folgenreiche Handlung einzuführen. Kann es sein, dass sich nach der gesetzlichen Freigabe dieser Personenkreis erweitert, weil dadurch Eltern Chancen sehen, selbst über das kommende Kind entscheiden zu können?
(c) Die Würde des Menschen ist unantastbar – und sie beginnt für mich schon mit der befruchteten Eizelle, jede gezogene zeitliche Grenze ist willkürlich. In dieser Hinsicht hat Peter Singer Recht, der allerdings mit Tötung Ungeborener noch weiter geht als es zurzeit gesetzlich erlaubt ist.
(d) Das Argument, dann dürfte man ja auch nicht abtreiben ist für mich klar: Abtreibung ist von Übel, weil sie die Würde des Menschen nicht achtet. Das Argument ist schon eigenartig, zu sagen: Besser die schlechte Zelle auszusortieren, statt später wegen Behinderung abzutreiben.
(e) Es handelt sich um die grundsätzliche Frage: Sind Grenzen, die man zurzeit ziehen mag (Aussortierung nur bei Schwerstbehinderung – wer setzt die Grenzen? Sind gesetzlich gesetzte Grenzen überprüfbar? Hat der Aussortierende nicht doch ein Ohr für die Eltern?) wirklich relevant? Muss ein Kind so sein, wie es sich die Eltern wünschen – oder andere wegen Entlastung der Krankenkasse? Ein Designerbaby ist für mich im Blick – bei uns nicht so schnell wie in anderen Ländern. (Wie zum Beispiel Mädchenmangel in manchen Staaten, weil Mädchen eher abgetrieben werden als Jungs.) Wenn ein Kind dann behindert ist – aber nicht schwerstbehindert – wird es dann nicht doch auch abgetrieben? Und das verhindert PID dann nicht.
(f) Gesellschaftspolitisch stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit behinderten Kindern (mit Behinderten insgesamt) um, dass Eltern keines haben möchten? Muss sich da nicht viel an unserer Mentalität ändern?
(g) Haben Eltern ein Recht, ein Anspruch auf ein gesundes Kind? (Diese Frage stellt sich auch bei Abtreibungen.) Haben Menschen überhaupt einen Anspruch darauf, dass ihre Erwartungen erfüllt werden? Eltern müssen immer mit kranken Kindern rechnen, weil nicht alle Behinderungen genetisch bedingt sind.
(h) Es gibt viele Kinder, die ein Zuhause suchen – muss die Gesellschaft solche Untersuchungen, die die Menschenwürde angreift, zulassen, weil das eine oder andere Paar ein eigenes Kind beansprucht, obgleich viele Kinder ein Zuhause suchen?

(i) Natürlich wäre noch die Frage der Kosten in den Blick zu nehmen, die der Chancengleichheit, diejenige der Abstoßung usw. usw. Kein Argument für PID ist, dass Eltern glückliche Augen haben, wenn es geklappt hat. Das ist natürlich schön, Menschen glücklich zu machen. Aber auf Kosten der Menschenwürde? Perfide ist das Argument. PID schützt im Grunde Leben, weil weniger Behinderte abgetrieben werden. Der ganze Vorgang um PID tötet Leben, weil ja einige befruchtete Eizellen zur Auswahl stehen.

(j) Letztendlich hat jeder Krankheiten zu erwarten – wäre es gut gewesen, wenn mich Ärzte ausselektiert hätten (z.B. angeblich werden in England schon Zellen aussortiert, wenn Brustkrebs, Darmkrebs zu erwarten ist.)

(k) Als PID-Kind kann man dann wenigstens sagen: Ich lebe nach dem Willen des Arztes XY.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es ist für manche schwer, kein eigenes Kind zu bekommen (Warum? Frage der gesellschaftlichen Stellung? Erwartungen der Umwelt (Mutter/Schwiegermutter) nicht nachkommen? Die eigenen Gene weiterzugeben?).  Ebenso kann ich aus eigener Erfahrung sagen, wie sehr man froh ist, wenn das Kind gesund geboren wird. Aber dennoch sind für mich die oben genannten Einwände grundlegend. Weil ich als Individuum Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche habe, können nicht bestimmte Grundwerte außer Kraft gesetzt werden. Das gilt auch für andere Fragen, zum Beispiel für Organtransplantation: Darf ich mir auf Kosten anderer ein Organ besorgen?

Ein empfehlenswerter Film: http://www.swr.de/menschen-unter-uns/-/id=122632/nid=122632/did=4231450/5juaxq/index.html „Sophie – ein göttliches Geschenk“. Und ich weigere mich anzunehmen, dass nur Christen Behinderte annehmen können.

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