Turn-Verbot

Turnvater Jahn erfand das Volksturnen – sagen wir es einmal so – und das ist bald 200 Jahre her: Am 19. Juni 1811 hat Friedrich Ludwig Jahn den ersten Deutschen Turntag ausgerufen. Und – wie es das Datum zeigt – es war eine sehr politische Aktion, denn die Napoleon-Franzosen hatten deutsche Staaten im Griff, und das konnten Patrioten nicht auf sich sitzen lassen. Damit die Deutschen sportlicher werden, kampfes- und rauflustiger, musste das Gruppenturnen als Training für den Freiheitskampf in den Fokus rücken. Bekanntlich wurde wenige Jahre später die Freiheit in der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19.10.1813) errungen. Napoleon wurde überturnt. Nicht, dass das Turnen in kurzer Zeit allein diesen großen Erfolg feiern konnte – aber Turner spielten eine weitere Rolle beim Kampf um die Freiheit. 1815 haben studentische Turner in Jena eine Burschenschaft gegründet – bekanntlich waren Burschenschaften freiheitsliebende Patrioten – der Erfolg war dann 1817 im Wartburgfest sichtbar. Wer nicht mehr wissen sollte, was das eigentlich war, lese es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wartburgfest Nicht lange und die Drohungen der Regierenden führten zum Verbot des Turnwesens (1819) – das dann einige Jahrzehnte später (1842) wieder aufgehoben wurde. Sechs Jahre später wurde der Deutsche Turnerbund gegründet. Inzwischen turnt man nicht mehr für die Freiheit des Volkes – man turnt nur noch für die körperliche Gesundheit des Ichs: http://www.dtb-online.de/portal/ Nun ja, man turnt auch für Turnerfolge bei den Wettbewerben.

Das „Turnerkreuz“ besteht aus vier F: Frisch – fromm – fröhlich – frei. Ein sehr raffiniertes Logo. Also, liebe Turner, schon mal Gratulation von einem, der lieber mit den Fingern auf der Tastatur herumturnt als am Reck, Bock oder Barren. Von einem, der lieber geistige Kapriolen schießt als Tummelsköppe, Handstände und Flick-Flacks. Aber dennoch: Die Gratulation kommt von Herzen.

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