Ratio – Verstand und Sühnetod

Ich bin ein sehr verstandgesteuerter Mensch. Und wenn jemand meint, ich sei doch eher emotional gesteuert, sollte bedenken: der Mensch hat so etwas wie Rhetorik erfunden. Es gibt Formulierungen, da weiß man ganz einfach, das berührt einen anderen – auch wenn man selbst nicht berührt ist.

Nun: Als verstandgesteuerter Mensch erkenne ich, dass der Verstand groß tut, aber doch im Grunde klein ist. Er ist nicht (immer) der Herr im Hause, es gibt Dimensionen in uns, die herrischer sind.

Und weil ich das weiß, wundere ich mich über meine christlichen Brüder und Schwestern, die so vehement gegen die Interpretation des Todes Jesu als Sühnetod angehen. Es gibt ganz einfach Schichten in uns, die angesprochen werden müssen, um uns zu angenehmeren Menschen zu machen, als der Verstand. Man mag diese Interpretation nicht für gut halten, andere für besser – das bleibt doch alles unbenommen.

Vor allem sieht man ganz rational, dass die Menschheit geopfert hat und bis heute opfert. Wann hörte das auf? Als sich das Christentum mit der Betonung des Sühnetodes Jesu verbreitete. Da hat eine tiefe Schicht des Menschen endlich seine Heimat gefunden. Welcher Verstand mag das leugnen?

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