Glaube + Ideologie

Kann der christliche Glaube Ideologie werden? Ja. Und zwar dann, wenn er vergisst, dass der christliche Mensch – also der von Gott angenommene und gerechtfertigte Mensch – nun in der Lage ist, die heile Welt, die Utopie, das Reich Gottes, das Paradies auf Erden durchzusetzen. Auch der Mensch, der zu Gott gehört, ist noch Mensch. Er ist der Mensch, der erkennt, dass sein ganzes Tun und Denken nur vorläufig ist, dass er auf Vollkommenheit zustrebt, aber diese immer gebrochen, angefochten ist. Er ist angewiesen auf das Gespräch, das Miteinander der Menschen. Die Kirche ist eine vielfältige Kirche. Sie weiߠaber um Maßstäbe, die verhindern sollen, dass sie sich den jeweils zeitgeistigen Vorstellungen der Ideologien, Weltanschauungen usw. anpasst. Dass sie als vielfältige Kirche versucht, sich von solchen Ansinnen freizuhalten, macht sie noch nicht zur Ideologie, zum Innerweltlichen. Denn Gott fordert sie immer wieder dazu heraus, sich selbst in Frage zu stellen, sich auf ihn hin zu orientieren. Die Barmer Theologische Erklärung hat schon ideologische Züge, wenn sie auf wesentliche Aspekte des Glaubens beharrt. Sie setzt einer Ideologie den eigenen christlichen Standpunkt entgegen und sagt: Finger weg! Aber dadurch, dass sie sagt, dass sie Jesus Christus gehört, ist der Standpunkt kein menschlicher mehr, sondern einer, der von Jesus Christus gesetzt wurde. Freilich mögen Leute, die den gegenwärtig wirksamen Jesus Christus-Gott-Heiliger Geist für Phantasien halten, keinen Unterschied zwischen Ideologien und christlicher Religion erkennen. Und?

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