Existenz Gottes

Warum müssen Atheisten eigentlich so häufig missionarisch ihre Aversionen gegen den Glauben an Gott vortragen?

Weil es in der Geselllschaft einen Unterschied macht, ob man sich in der Ethik an Regeln hält, die aus dem christlichen Glauben kommen oder nicht. Zwar hat die Kultur, dazu gehören Recht und Gesetz, unserer Gesellschaft viel mit der Sicht von der Menschenwürde zu tun, die aus dem christlichen Glauben heraus entwickelt wurde, aber es bestehen doch immer Bestrebungen, diese an bestimmten Punkten zu unterlaufen. Und je massiver sich atheistisches Gedankengut in der Gesellschaft breit machen, desto schwerer haben es manche Gesetze. Ungeborene haben zum Beispiel keine große Lobby bei vielen Nichtglaubenden, die sich von christlicher Tradition lösen wollen. Die Feindesliebe – selbst von Christen nicht immer gern gesehen – hat schlechte Karten, in einer Gesellschaft, die irgendeine Gruppe als Feind ausgemacht hat. Gleichheit aller Menschen – auch massivst Behinderter – wird von nichtchristlichen Gruppen mit Vorbehalt bedacht. Zumindest kennen wir das aus der Vergangenheit und von atheistischen Mündern der Gegenwart. Damit sage ich nicht, dass Atheisten schlechtere Menschen wären – sie haben vielfach nur andere ethische Vorstellungen. Manchmal haben sie Vorstellungen von Gesellschaften, in denen ich nicht unbedingt gerne leben würde. Übrigens habe ich atheistische Freunde, die sich bewusst sind, dass sie lieber in christlich orientierten Gesellschaften leben als in rein atheistisch geprägten Gesellschaften. 

Was mich (a) immer ärgert, das ist, dass so mancher missionarische Atheist meint, dass es einer Gesellschaft ohne Religion besser geht als mit Religion. Denn diese Sichtweise hat von der Entfremdung des Menschen von sich selbst überhaupt nichts begriffen – und leugnet Vergehen des real existierenden Atheismus bestimmter Gesellschaftssysteme wie Glaubende die Fehltritte der Kirchen leugnen mögen.

Was mich (b) ärgert ist, dass mancher missionarische Atheist alle Religionen in einen Topf wirft. Das ist berechtigt, wenn man mit Karl Barth sagt, dass das Christentum auch Religion ist und somit teilhat an allen Irrungen und Wirrungen von Religionen insgesamt. Aber jedem, der sich ein wenig intensiver mit Religionen beschäftigt, sieht, dass Schiwa-Kulte, dass Islam, dass Christentum, dass Schamanistische Ahnenkulte usw. überhaupt nicht kompatibel sind. Das ist, als wollte man Steine mit Bananen vergleichen. Doch der Grund des Christentums ist – mit Karl Barth – nicht die Religion, sondern der Zuspruch und Anspruch Gottes auf den Menschen, der aus der Gnade Gottes und nicht aus seiner eigenen Macht heraus zu leben sucht. Glaube als christlicher Glaube sollte über sich selbst hinausgehen – indem er sich Gott ausliefert und nicht, wie Religionen versuchen, sich Gott zu unterwerfen. (Vgl.: http://www.theol.unibe.ch/apparat/schaer_dogmatik/barth_KD%20I-2_1939.pdf)

Denn das kennzeichnet Religionen: Sie wollen Gott durch Riten, Denken, Handeln, Gefühl in den Griff bekommen. Das ist auch die Schiene des Atheismus: Weil ich als Mensch Gott nicht in den Griff bekomme, sage ich: Es kann keinen Gott geben. Und um den Gottesglauben als Produkt des Menschen vollkommen lächerlich zu machen, kommen sie mit den Spaghetti-Monstern oder fliegenden Teekannen daher. Auch als Produkt des Menschen, wie Feuerbach es sieht, ist Religion nicht lächerlich. Und was den christlichen Glauben betrifft: Der christliche Glaube in seinem Kern lässt sich von Gott ergreifen – und versucht nicht, Gott in die Hände zu bekommen.

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