Das Besondere am Menschen

Das besondere am Menschen (im Vergleich zum Tier), so bekennen Christen mit biblischen Schriften, ist, dass Gott ihm von vorneherein die Möglichkeit gegeben hat, Verantwortung zu tragen. So gibt er Adam und Eva die Möglichkeit, von allen Bäumen zu essen – aber von den Früchten zweier verbietet er zu essen. Der Mensch wird dem Vertrauen nicht gerecht und nützt die Freiheit, sich gegen Gottes Auftrag zu wenden. Damit erzählt der Mythos, dass der Mensch von vornherein frei ist, sich an Gott zu halten – oder es zu lassen. Freilich muss er die Konsequenzen dafür tragen. Denn das gehört zur Freiheit dazu: Konsequenzen für sein Tun zu tragen (Genesis 2).

Auch Jesus erzählt im Gleichnis vom Verlorenen Sohn, dass Gott dem Menschen erlaubt, sich von ihm zu entfernen. In der Ferne vergeht sich der Mensch, irrt herum, findet keine Zuflucht und hat Sehnsucht danach, nach Hause zu kommen, zu Gott. Gott lässt den Menschen die Freiheit – auch die Freiheit, sich von Gott abzuwenden. Hat sich der Mensch von Gott abgewendet, geht es ihm schlecht, fängt der Mensch häufig an, Gott anzuklagen: Wo bist du, Gott? Warum lässt du es zu, dass es mir schlecht geht? Warum all das Schlimme? Warum…? Wozu…? Strafe…?

Mit dem Gleichnis sagt Jesus: Wenn du in der Fremde bist, weit weg von Gott, dann klage nicht, sondern kehre um, geh nach Hause zu deinem Vater, geh heim zu Gott (Lukasevangelium 15). Und was findet der Mensch dort? Er findet Geborgenheit in seiner Einsamkeit des Herzens. Er findet ein Ohr in seiner Klage. Er findet Kraft in seiner Schwäche, eine Umhüllung angesichts der Trauer, Aufnahme trotz der Schuld, Ruhe für aufgescheuchte Erinnerungen, bewusstes Dasein im Licht Gottes. In der Freiheit des Zurückgekommenen liegt die Liebe des Angenommenen.

Aber soweit ist kaum ein Mensch. Der Mensch ist in der Fremde. Und gerade hier, hier in der Ferne zu Gott, trifft ihn das Wort Jesu: Du hast eine neue Chance; in der Ferne, weit weg von seiner Heimat, trifft ihn das Wort Jesu: Gott liebt dich, kehr um. Im Dahinvegetieren ahnt er in der Stimme Jesu: Es gibt einen Ort, bei dem ich willkommen bin. In der Kälte der Einsamkeit trifft ihn der Hauch von Gottes Wärme.

 

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