Philosophischer Hund

Hunde-Embryo, Hunde-Welpe, Hund-Erwachsener, großer Hund, kleiner Hund, schwarzer Hund, weißer Hund, Dackel-, Schäfer-, Pinscherhund, alter Hund, gestorbener Hund. Es gibt eine große Palette an „Hund“ – warum erkennen wir immer den Hund im Hund? Ein Hund hat nicht immer vier Beine – und Kühe haben auch vier Beine. Also an der Anzahl der Beine ist ein Hund nicht erkennbar. Gibt es ein ideales Hundebild, oder genauer: einen idealen Hund, an dem wir alle Hunde (ob ungeboren – geboren – tot) messen und sie wiedererkennen? Gibt es nur Hunde, wenn wir einen Hund sehen, ihn wahrnehmen, oder gibt es auch Hunde außerhalb unserer aktuellen Erfahrung? Oder wie ist es mit dem Hund: ist er real oder träumen wir nur Hunde, stellen sie uns vor? Gestern sah ich einen nackten, kleinen, zitternden Pinscher oder war es ein irgendwas? Es war ein Hund. War das nur ein subjektives Erlebnis, das ich denen klar machen kann, die ein solches, dieses Wesen noch nie sahen? Kann ich dieses Erlebnis im Experiment wiederholen? Als ich mit Zeugen wieder zu dem Ort ging, an dem ich ihn sah, war er nicht mehr da. War er dann überhaupt da? Wie kann ich es beweisen? Warum heißt ein Hund eigentlich „Hund“? Was bedeuten ein „H“ und ein „und“? Bedeuten sie „Hund“? Bedeuten „H“, „u“, „n“, „d“ Hund? Wer macht die Buchstaben zu einem Hund? Aber es sind ja nur Buchstaben und kein Hund. Welchen Hund sehen wir vor Augen, wenn wir das Wort „Hund“ hören oder lesen? Hat der Hund eine Seele? Was ist das „Seele“? Der Hundesezierer hat sicher noch keine gefunden. Wird sie den Hund überleben – wenn es sie denn gibt? Mit dem Begriff „Seele“ sind ja auch Erfahrungen verbunden: machen Erfahrungen erst einen Hund? Aber machen alle Hunde dieselben/diegleichen Erfahrungen? Ist derselbe Hund derselbe Hund, wenn er jung und alt ist?

Mit diesen Fragen über Fragen, durchmessen wir die Philosophie und die Philosophiegeschichte. Ihnen geht es nicht um Hunde – sondern um Menschen. Aber auch uns ging es nicht um Hunde, sondern um unsere Wahrnehmung von Hunden. Äh, wer ist eigentlich „uns“? Gibt es „uns“ – oder ist uns nur eine zusammengewürfelte Gruppe von „Ichs“? Aber was ist „Ich“? Eine Menge unverbundener und verbundener „Erfahrungen“? Oder auch „Körper“? Ist das Ich mit 1Jahr noch das Ich mit 15 oder 80 oder 100 Jahre? Trotz vieler neuer Erfahrungen: Das Ich sieht sich als durchgängiges Ich. Guck mal, auf dem Bild, das bin ich, als ich drei Jahre alt war. Aber: War ich das? Das sieht doch ganz anders aus als ich heute… – Viel Spaß beim Grübeln! Frische Luft tut dann manchmal gut. 😉 und beim Gang durch die frische Luft darf man dann daran denken: Es gibt keinen Hund – außer ich spüre ihn mit allen Sinnen. Was sind meine Sinne? — Schluss, Schluss, Schluss!

Wem das alles zu kompliziert und unrealistisch ist, der darf sich hier konkrete Hunde ansehen: http://www.hunderassen.de/  Sind Hundebilder konkrete Hunde…? 

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