Faszinierendes Christentum

Faszinierend finde ich das Christentum dann, wenn deutlich wird, dass es immer wieder den Weg zurück findet. Es geht Irrwege noch und nöcher – aber die Irrwege führen doch alle wieder auf den Weg Gottes zurück. Damit sind freilich auch die Irrwege immer Wege zum Hauptweg – das ärgerliche an ihnen ist jedoch, dass es sie gibt. Das gehört zum Menschen – und das Faszinierende: Wir glauben, dass Gott den Menschen in seiner Liebe und seiner Vergebung diese Irrwege, die der Mensch wählt, gehen lässt, den Menschen dann aber doch immer wieder auf seinen Weg zurückholt. So gab es in den schlimmsten Zeiten – in denen Christen unmenschlich und somit unchristlich bis zum Geht-nicht-mehr handelten – immer auch Menschen, die das Licht Gottes in sich trugen. Und dass sie das Licht in sich getragen haben, bedeutet nicht, dass sie selbst kontinuierlich licht, hell waren, sondern häufig eigentümlich zerrissen. Das ist das Faszinierende: Das Licht Gottes scheint durch uns Dunkelmänner und -frauen – und lässt sich einfach nicht auslöschen. Und das Licht Gottes erobert auch manchmal Menschen, die davon nichts wissen (wollen) – die dann aber der Kirche indirekt große Dienste geleistet haben. Freilich waren auch sie keine Lichtgestalten, aber sie haben doch deutlich gemacht, wo die Christen Irrwege gehen. Die Größe unseres Glaubens besteht darin, den Menschen unruhig zu machen, in ihm ein Licht anzuzünden, das ihn immer wieder herausfordert, in ihm eine Hoffnung weckt, der er nachstrebt, ein Ideal der Liebe vor Augen malt, das er nie erreicht, aber immer zu erreichen trachtet. Und das ist der Grund, warum Jesus Christus und der Heilige Geist Menschen ergreift, die von ihm eigentlich nichts wissen wollen.

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