Schlechtes Gewissen?

Wenn Ihr ein schlechtes Gewissen habt, fügt Ihr Euch reinigende Schmerzen zu… – so einfach ist das. http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article12257117/Schmerzen-beruhigen-das-schlechte-Gewissen.html Sicher gibt es das. Menschen fügen sich Schmerzen zu, um den kommenden Schmerzen zu entgehen: im Mittelalter die Bußbewegungen: Man geißelte sich, um die Strafe Gottes zu mildern. oder: Wenn Gott mich schon nicht straft, dann strafe ich mich halt selber. Schiiten strafen sich, weil sie Ali nicht geholfen haben. In Japan begehen Menschen suizid, die sich nicht gesellschaftskonform verhalten haben. Vielfältig sind die selbstverletzenden, autoaggressiven Handlungen – dazu gehört sicher auch, in negativen Situationen zu verharren (ich bin selbst dran Schuld, diesen gewalttätigen Mann geheiratet zu haben – also bleib ich bei ihm…). Vermutlich ist auch Frustessen nicht einfach nur der Versuch, sich selbst etwas Gutes zu tun, wenn andere es schon nicht tun, sondern auch schon mit einer Art Selbstbestrafung verbunden – wenn man das Hirn einschaltet, weiß man ganz genau, dass übermäßiges Frustessen schadet – und man macht dennoch weiter. Aber auch schon Gedanken der Schuld, mit denen Selbsterniedrigungen zusammengehen können, gehören dazu: Das kommt davon…, hättest du nicht das und das gemacht, dann wärest du genauso gut dran wie XY…, – oder gedankliches Verharren in Ereignissen, in denen man versagt hat, usw. Die mittelalterlichen Buß-Christen haben ihr Neues Testament schlecht gekannt, in dem von Vergebung der Schuld die Rede ist. Doch wie geht der nichtchristliche Mensch damit um? Andere Religionen kennen zum Beispiel das Bußopfer. Was opfern Menschen in der Gegenwart, um dem Schuldgefühl zu entfliehen? Schuldgefühle abtöten gehört für mich auch zur Autoaggression: Man verhärtet sich selbst gegenüber, anderen gegenüber wird man arroganter usw. usw. Ich denke, es gehört das Folgende dazu: Akzeptieren, dass man schuldig wird an anderen und an sich selbst – und dann das tun, was Luther rät: Man kann nicht verhindern, dass Vögel um den Kopf flattern – aber dass sie im Haar Nester bauen. Christen können all diese Vögel zu Gott in Jesus Christus schicken. — Nimm die Vögel, Gott – du hast mich befreit. 

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