Wahrheit + Wikileaks

Weil die Wahrheit oft schwer zu sagen und zu ertragen ist, sagen wir sie einander als zivilisierte Menschen nicht bzw. nicht so direkt, wenn´s nicht nötig ist. 

Erst recht nicht in der Politik, denn was hilft es, dem Politiker eines fremden Landes zu sagen: Dünnpfiff… Aber den eigenen Leuten hilft es zur Beurteilung des anderen.

Was jetzt aufgedeckt werden soll: Handelt es sich nicht um Denkbares, das jeder schon weiß, manchmal gesagt und geschrieben wurde, vielfach gedacht – nur halt nicht von Diplomaten? Jeder wache Beobachter der Lage sieht, welcher Politiker wie zu beurteilen ist: Dampfplauderer, Draufgänger, Strippenzieher, Hinterrückswirker – und positiv: Einer, der seinen Job gut macht, der ehrlich ist – auch wenn er irrt, der innovative Arbeit leistet, der seinen Laden in Griff hat… 

Was eventuell neu sein wird – aber auch jeder aus seinem privaten Leben schon kennt: Der Ton, der die Wahrheiten ausspricht. Denn unter Seinesgleichen spricht man anders als vor den Ohren des Kritisierten. Warum sollten Diplomaten anders agieren? 

Wäre es neu, zu erfahren, dass andere Staaten spionieren, Politikers Privatleben auskundschaften…? Für mich nicht. Der Politiker ist arm dran, der sich wissend erpressbar macht, weil er in der Öffentlichkeit eine andere Rolle spielt als im Privatleben. Da gibt es sicher so manche Berlusconis, die es nur nicht öffentlich sagen. Aber auch hier: Es ist wie im kleinen Privatleben eines Jedermann.

Dass Regierungen „Frieden, Frieden, Frieden“ rufen, aber im Geheimen – zumindest versuchen sie es – „Krieg, Krieg, Krieg“ unterstützen, ist auch seit Alters bekannt.

Im Grunde nichts Neues? Jeder, der sehen gelernt hat, weiß schon längst: Der Kaiser ist nackt – auch wenn er sich noch so pompös darstellt.

Schlimm finde ich, dass Informanten gefährdet werden können. Ob plaudernde Staatsmänner gefährdet sind – wohl eher nicht. Was ich mich allerdings frage: Wie kommt Wikileaks an die Daten? Und das ist das Übel: Verbrechen werden durch Aufmerksamkeit belohnt.

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