Opferfest und opfern

Menschen geben den Göttern mit ihren Opfern etwas. Sie versuchen damit, sie gnädig zu stimmen, sie geben ihr Bestes, sie geben Makelloses – sie geben anderes Leben an ihrer eigenen Stelle. Sie zeigen damit, wie fromm und Göttern freundlich gesonnen sie sind, dass sie sich ihnen dankbar unterwerfen. Und zwar als Gemeinschaft. Opfern ist vielfach auch ein Freudenfest: Man hat genug zu essen. Religionspsychologisch: Der Mensch feiert sich selbst, seine Geschicklichkeit (Jagd, landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg) – Religionssoziologisch: und er zeigt fröhlich feiernd allen.

Das Abendmahl der Christen ist eigentlich kein Opfern. Zwar wurde es seit dem 2. Jahrhundert langsam wieder zu einer „Opferung“ umgeprägt (römisch-katholisch), aber ursprünglich bedeutet es nicht, dass der Mensch Gott etwas gibt, sondern dass Gott in Jesus Christus dem Menschen sich selbst gibt. Für euch gestorben…, für euch gegeben… Das Abendmahl ist die dankbare Annahme dieses Geschenkes. Es wird gemeinschaftlich genommen – aber der Mensch, der das Geschenk annimmt, nimmt es mit anderen – aber im Grunde ist er allein mit dem sich schenkenden Gott. Er feiert nicht sich selbst, darum sind die Gaben, was das Äußere betrifft, reduziert auf ein Minimum: Brot und Wein. — Davon zu unterscheiden ist das so genannte Agapemahl. Da geht es um gemeinsames Feiern, was auch auf Jesus zurückgeht, wenn er mit den Seinen und all denen, die mit ihnen essen wollten, fröhlich und ernsthaft speiste. Aber das hat mit dem Thema „Opfern“ nichts mehr zu tun.

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