Leitkultur 3

Nun haben wir unsere Kultur als einen Teppich beschrieben, der aus vielen Fäden und Farben gewebt wurde. Andere Kulturen haben wieder andere Farben und Fäden. Nehmen wir den Islam. Auch er steht auf den Schultern des Judentums und Christentums. Auch Mohammed hat durch seine Mekka-Brille gefiltert. Spätere Gelehrte, ob sie nun anerkannt waren oder nicht, haben auch Traditionen griechisch-römischer Antike eingewoben – aber eben aus der Perspektive Mohammeds und der ihn folgenden arabischen Gruppen. In den jeweiligen Ländern kamen neue Impulse hinzu, so in Pakistan, in Indonesien, in Afghanistan usw. Aber diese Fäden entsprechen dann nicht mehr den Fäden unserer europäischen Kultur. Dafür haben europäische Christen wiederum ihren Teppich nach Südamerika gebracht, in alle möglichen Länder der Erde – und haben begonnen, diese Fäden der jeweiligen Kulturen in den Hauptteppich einzufügen. Manchmal lösen sich Gruppen aus diesem Hauptteppich und knüpfen eigene kulturell bedingte Teppiche. Und so wird es auch sein, dass der Islam Fäden in unseren europäischen Teppich einwebt wie auch wir Europäer, Christen oder Nichtchristen, unsere Fäden in den islamischen Teppich einweben. Die Frage ist nur immer – und den stellen sich freilich auch Muslime und nicht allein die Europäer: Soll unser Teppich einmal ganz anders aussehen? Wie wollen wir, dass unser Teppich aussieht – und wie soll er auf keinen Fall aussehen? Und so hat es sich geschichtlich ergeben, dass unser europäischer Teppich, geknüpft aus Fäden der europäischen Antike, dem Judentum und Christentum, der Aufklärung manche andere Fäden nicht verträgt ohne zu zerfallen. Das Entsprechende sagen Muslime. Da wir nicht in die Zukunft blicken können, tut jeder das Seine, um seinen Teppich zu erhalten und dabei zuzusehen: Welchen anderen Faden wollen und können wir erlauben. Irgendeine Gruppe wird sich durchsetzen – nicht rein, weil ja wieder die kulturellen Fäden der anderen Gruppe durch bestimmte Filter aufgenommen werden. Und da ich meine Kultur liebe, die aus Schmerzen und Leiden, aus Denken und Hoffnungen, aus Glauben und Liebe geboren wurde, beschäftige ich mich immer mehr mit ihr – und will sie nicht durch andere Weltbilder ersetzt wissen. Um der Menschen willen – freilich heißt das nicht, alle Fäden, die der Islam zu bieten hat, abzulehnen. Christen waren immer gut im Adaptieren von andeeren Traditionen, denn Paulus schreibt: Prüft alles, das Gute behaltet. Und das gilt auch für den Kontakt mit dem Islam. Doch was ist für Christen gut? Das entscheidet der Glaube an Jesus Christus.   

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Eine Antwort auf „Leitkultur 3“

  1. Ganz besonderer Dank gilt WF für seine Gedanken und Ausführungen zum Thema Leitkultur -gleichsam mit „Herzblut“ niedergeschrieben.
    An der so gründlichen Auseinandersetzung mit dem Thema darf niemand vorübergehen, der seine Kultur lieben und leben will.
    Der Schlusssatz der Ausführungen sei hier noch einmal in den Raum gestellt. WF:
    ……“Und da ich meine Kultur liebe, die aus Schmerzen und Leiden, aus Denken und Hoffnungen, aus Glauben und Liebe geboren wurde, beschäftige ich mich immer mehr mit ihr – und will sie nicht durch andere Weltbilder ersetzt wissen. Um der Menschen willen – freilich heißt das nicht, alle Fäden, die der Islam zu bieten hat, abzulehnen. Christen waren immer gut im Adaptieren von andeeren Traditionen, denn Paulus schreibt: Prüft alles, das Gute behaltet. Und das gilt auch für den Kontakt mit dem Islam. Doch was ist für Christen gut? Das entscheidet der Glaube an Jesus Christus.“

    Das Echolot

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