Christentum Mitteleuropa 9

Nach Otto I. dem Großen kam sein Sohn Otto II. an die Macht. Er hatte viel zu kämpfen. Er starb jung (mit 28 Jahren) und sein Sohn Otto III. war noch zu klein, um herrschen zu können – und so übernahm seine Mutter, eine Tochter aus byzantinischem Kaiserhaus die Erziehung und Herrschaft. Das zu wissen ist nicht unwichtig, denn als Otto III. größer war, hat er die Regentschaft übernommen – und auch Päpste seiner Wahl eingesetzt. Er wollte (in byzantinischer Tradition), dass diese beiden Herrschaften: Kaiser und Papst vereinheitlicht werden, einander durchdringen. Doch er starb 1002 im Alter von 21 Jahren. Sein Nachfolger Heinrich II. (der mit seiner Frau, der heiligen Kunigunde, regierte) besetzte die Bischofsstühle mit seinen treuen Leuten, die kirchliche Zustimmung war nur noch formal. Über die von mir schon angesprochene Reformbewegung, die vom Closter Cluny ausging, war er nicht besonders begeistert, weil diese Klöster dem Papst unterstellt waren – was seinen politischen Ambitionen (alles gehört dem Kaiser) zuwiderlief. Wichtig war ihm freilich das Einvernehmen mit dem Papst, wenn es um das Zölibat ging: Damit konnten keine Familiendynastien gebildet werden – und der Kaiser konnte damit die jeweiligen Stühle neu besetzen. Heinrich wurde unter anderem von dem Bischof Wolfgang von Regensburg erzogen, eine faszinierende Figur – aber wohl auch kennzeichnend für die damalige Zeit: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienW/Wolfgang.html Ebenso ist die heilige Kunigunde eine faszinierende Person, die ein Leben führen wollte, wie es die Worte Jesu in der Bergpredigt beschreiben, und die sich intensiv für die Kranken einsetzte: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienK/Kunigunde_von_Luxemburg.htm Nach dem Tod des Kaisers ging sie als einfache Nonne ins Kloster.

Mit Heinrichs Tod begann die Herrschaft der Salier. Heinrich III. sah sich als Stellvertreter Gottes auf Erden an und war ärgerlich über die Zustände der Kirche in Rom: drei Päpste versuchten die Herrschaft zu erlangen – und damit verbunden waren alle möglichen Missstände. Er setzte alle drei ab und installierte nacheinander eigene. Mit diesen versuchte er die Kirche zu reformieren. Das bedeutete: Durch die Einsetzung deutscher Päpste entriss Heinrich dem römischen Adel die Vorherrschaft, die Päpste zu stellen. Der Höhepunkt kaiserlicher Macht war erreicht – und es kamen Stimmen auf, die die Vorherrschaft des Papstes über den Kaiser forderten. Auch der von Heinrich III. eingesetzte Papst Leo IX war eine beeindruckende Person: Er reiste durch die Herrschaftsbereiche, um Klöster zu visitieren, Ordnung durchzusetzen, von ihm gibt es die Legende, dass er einen Aussätzigen in sein eigenes Bett legte – und er vollzog etwas, was bis heute Auswirkungen hat: Er exkommunizierte den Patriarchen von Konstantinopel. Normannen griffen Rom an, er kämpfte gegen sie, verlor, bot sich als Geisel an und wurde gefangen genommen http://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Leo_IX_.html 

Das war die politische Bühne. Auf der Bühne des Alltags lief auch wie immer alles kreuz und quer: Manche lebten ihre tiefe Frömmigkeit im Bewusstsein, dass der Christ für andere da sein muss, für Notleidende, Geächtete. Andere nutzten ihre höhere Stellung, um Menschen zu erniedrigen, um ihren vielfältigen Lüsten zu dienen. Wie der heilige Dom seine dämonischen Wasserspeier hat, so begleiten die Kirche auch Menschen, die sich um Grunde um Glauben nicht scheren. Aber vor allem auch Menschen, die aus ihrem Glauben heraus leben – und sich dann doch in vieler Hinsicht verfehlen können. Nicht, weil sie etwas sagen, was die Menge für falsch hält, sondern aus ihrem Glauben heraus falsche Wege gehen. Aber die Liebe und Gnade Gottes in Jesus Christus sind größer als die jeweiligen Vergehen. Und all das werden auch die folgenden Jahrhunderte zeigen. Das waren die ersten 1000 Jahre Christentum in Grundzügen, wie sie ein Blog bieten kann. Leider fehlt mir die Zeit, das in den folgenden Wochen weiter fortzuführen. Aber vielleicht wirds noch mal. 

Impressum auf www.wolfgangfenske.de – http://literarisches.wolfgangfenske.de/3.html