Christentum Mitteleuropa 7

Der Reichtum und Einfluss so manchen Klosters erregte den Neid der jeweiligen Fürsten, und sie suchten die Leitung unter ihre Fittiche zu bekommen, was auch überwiegend gelang und sittliche Verwahrlosung zur Folge hatte. Wilhelm I. von Aquitanien stiftete 910 ein Kloster in Cluny, das er dem Papst unterstellte. Und trotz vieler Rückschläge entwickelte es sich zum Motor für Reformen – und war bis ins 12. Jahrhundert führend. Über 1.200 Niederlassungen wurden in Westeuropa gegründet. Wie die Klöster überhaupt hatte es große Auswirkungen auf die Bildung usw. – aber auch auf den so genannten Gottesfrieden. Der Adel, der sich zum Teil bis aufs Blut bekämpfte, nahm die Vermittlungen der Klöster in Anspruch. Aber die Macht wurde zu groß – und der Verfall begann. Das Ideal der Armut kam auf: Glauben und Askese standen nun im Zentrum der Frömmigkeit vieler Christen. Parallel zur tiefen Frömmigkeit gab es zahlreiche Misstände im Klerus, die von so bekannten Menschen wie Petrus Damiani (+ 1072) in Schriften gegeißelt wurden – und der sich auch selbst im wahrsten Sinn des Wortes als Bußübung geißelte. (Freilich kam die eigentliche Flagallantenbewegung erst später auf.) Überall in Europa war das Mönchtum aktiv, mit unterschiedlichen Schwerpunkten – aber mit dem Ziel, den christlichen Glauben zu leben und über ihn nachzudenken.

Auch berühmte Lehrer hat der christliche Glaube hervorgebracht. Nennen möchte ich Alkuin (735-804), der unter Karl dem Großen viele Schüler hatte – unter anderem auch den „Lehrer Germaniens“ Hrabanus Maurus (780(?)-856 ). Ein Pfingstlied (von ihm geschrieben? überliefert?) ist selbst noch in unserem Evangelischen Gesangbuch enthalten: Nummer 126. Hrabanus hat auch eine Enzyklopädie des großen Isidor von Sevilla (560-636) erweitert und überarbeitet.  Zu nennen ist einer seiner Schüler: Walahfrid Strabo (849 ertrunken): Durch ihn wurde Reichenau ein religiöses Zentrum, und er verfasste – neben anderem – ein bedeutendes botanisches Werk: http://de.wikipedia.org/wiki/Liber_de_cultura_hortorum

Berühmt und bis in die Gegenwart einflussreich wurden manche theologisch-philosophischen Denker, weil sie es wagten, denkend in Bereiche vorzustoßen, die man so vorher nicht gekannt hat. Zu nennen ist Anselm von Canterbury (1033-) der auf der Suche war nach Wahrheit und Gotteserfahrung: “Herr, lass mich dich verlangend suchen, suchend verlangen. Lass mich dich liebend finden, findend lieben.” Es entstanden in diesen Jahrhunderten theologische Gebilde, die mit den in etwa zeitgleichen Kathedralen zu vergleichen sind.

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