Christentum: Mitteleuropa 5

Der christliche Glaube hatte in vielen Stämmen Mitteleuropas Fuß gefasst – mit unterschiedlicher Intention: Manchmal festigte er sich, manchmal gingen Menschen wieder in ihre heidnische Tradition zurück. Klöster haben im Allgemeinen viel dazu beigetragen, dass die Bildung in breitere Schichten gelangte. Und so wurde auch Karl der Große (747/748-814) möglicherweise im Umfeld des Klosters St. Denis gebildet – ausgebildet in den sieben freien Künsten: Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie. Diese waren die Grunmdlage für das weitergehende Studium von Theologie, Medizin, Jurisprudenz. An die Macht gekommen, erweiterte er sein Herrschaftsbereich, bereinigte Grenzen – und sicherte vor allem die Herrschaft dadurch, dass er versuchte, in seinem Herrschaftsbereich eine einheitliche Linie durchzusetzen. Die Verwaltung wurde ausgebaut und reformiert – und die Klöster spielten eine große Rolle in diesem seinem Vorhaben: Sie wurden weiter zu Bildungszentren ausgebaut. Was aber wesentlich ist: Es gab Bestrebungen, die Klosterregeln zu vereinheitlichen (Benediktiner-Regel). Ebenso ordnete er die Bistümer und gab auch hier Regeln vor, um Missstände zu bekämpfen. Auch durch die Klöster vernetzte er das weitläufige Gebiet. In dieser Zeit begann der christliche Glaube sich immer stärker auch als kulturelle Größe zu behaupten. (Hinweise zur karolingischen Kunst: http://www.kunstforum.com/content/karl-der-grosse-8.html)  In dieser Zeit versuchte er, seinen germanischen Stämmen die Kunst und Kultur der Antike zu vermitteln. Die verschiedenen Stämme wurden durch den einheitlichen Glauben geeint. Nicht alle waren damit einverstanden. So die Sachsen. Es ging freilich nicht allein um den christlichen Glauben zu verbreiten, sondern darum, dass die Sachsen die Hoheit Karls nicht anerkennen wollten. Und Karl riss der Kragen, besiegte sie und setzte auch hier das Christentum durch, weil es eben ein Stein zur Vereinheitlichung seines Herrschaftsgebietes war. In dieser Zeit zerfielen auch vielfach die althergebrachten sozialen Strukturen – und da bot das Christentum eine religiöse und soziale Zuflucht: die Unsterblichkeit der Seele, das Mitleiden Gottes in Jesus Christus in der Krankheit des Einzelnen, Vergebung der Sünden und Neuanfang, weil Jesus Christus für den Menschen leidet: Der einzelne Mensch wurde wichtig, auch außerhalb seines Stammesverbandes. Die Klöster usw. waren stammesübergreifend – und auch im Latein lag der Vorzug, überall verstanden zu werden, während die unterschiedlichen Stämme einander nicht immer gut verstehen konnten. Es gab ja noch nicht das so genannte Hochdeutsch. Und viele Begriffe aus dem Griechischen oder Latein wurden eingeführt, weil die Germanen für das jeweilige Phänomen keine Worte hatten, z.B. für das „Kloster“. All das förderte die Individualisierung des einzelnen Menschen. Dennoch: Es waren Ansätze, die sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte immer weiter entfalteten. Die Klöster waren nicht nur die „Schulen“ sondern auch die „Krankenhäuser“ der damaligen Zeit. Ein großer Wirtschaftsfaktor (Agrartechnik, Erforschung der Kulturpflanzen), der versuchte, den vielen Hungersnöten zu trotzen. http://rabehl.wordpress.com/2009/03/09/karl-der-grose-und-europa-ii/ Der Nachfolger von Karl dem Großen, sein Sohn Ludwig der Fromme (778-840), vertiefte die Reformen, deckte Misstände auf, reformierte das Kirchenrecht usw. Mission in Dänemark und Schweden wurde forciert.

Kurz gesagt: Durch Karl den Großen begann der christliche Glaube, der vielfach schon in den germanischen Stämmen Fuß gefasst hatte, sich zu entwickeln, sich in den Herzen zu verwurzeln.

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