Erinnerungen 14

Aufgrund von Nachfragen setze ich diese Reihe fort – habe nach einer Pause vor einigen Tagen wieder damit begonnen. Da es eine sehr arbeitsintensive Reihe ist, kann ich leider nicht versprechen, sie regelmäßig fortzuführen. Lange Rede kurzer Sinn: Jetzt denke ich erst einmal an folgende Menschen:

Am 8.9.1804 ist Eduard Mörike geboren worden: „Frühling lässt sein blaues Band… “ – wer kennt nicht dieses Gedicht? Und dann das: „Gelassen stieg die Nacht ans Land, / Lehnt träumend an der Berge Wand…“ „Die Lieb, die Lieb hat alle Stund / Neu wunderlich Gelüsten…“ – Mörike hat so manche Zeile gefunden, die schlicht und ergreifend Gedanken und Sinne anregt. Am 9.9.1829 wurde Leo Tolstoi geboren. Ich muss gestehen, dass ich es nie geschafft habe, seine Romane fertig zu lesen. Was ich freilich sehr gerne gelesen habe, das sind seine kurzen Geschichten. Aber nicht allein sie prägen mein Bild von ihm: Er war Menschenrechtler, predigte und lebte Einfachheit, suchte die Einfachheit Jesu in der christlichen Religion, lebte unter Verfolgung durch die traditionelle russisch-orthodoxe Kirche – und wurde exkommuniziert. Er lehnte die kommunistische Revolution ab. Was ihm auch Ärger einbrachte. „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ So viel, wie sein Leichnam benötigt, um bestattet zu werden. Und: „Das Himmelreich in euch“ – beeinflusste auch Gandhi. Franz Werfel (* 10.9.1890) schilderte in „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ den grausamen Umgang der Türken mit den Armeniern. In den Jahren der Diktatur des Nationalsozialismus emigrierte er, bekam 1941 die amerikanisch Staatsbürgerschaft. Nach Werfel wurde vom Zentrum gegen Vertreibung ein Menschenrechtspreis benannt. Er hatte sich geschworen „immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens.“ (Lied von Bernadette) Was für ein Lebensmotto: Angesichts all der Grausamkeiten und Dummheiten, des Unverständlichen: das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit zu verherrlichen. Manfred Hausmann ist heute wohl nicht mehr so bekannt. Er hatte ein spannendes Leben als Landstreicher und Journalist, sammelte Menschen während der Zeit der Diktatur des Nationalsozialismus um sich (Querdenker / Innere Emigration) und schrieb Texte für Zeitungen des Nazi-Mainstreams. Er mochte Grass´ Blechtrommel nicht – und kämpfte als Christ zwischen seinem Wunsch, nicht religiös zu dichten und verkündigend zu wirken. „Blühender Zweig. / Der Pfirsichbaum hat sich mit Duft und Licht geschmückt. / Ein jeder Zweig ist atemlos in sich beglückt. // Zehntausend Blüten schimmern weit und breit im Land. / Und mich von allen wählst du mit gelinder Hand.“ (Tau-Yä/ Hinter dem Perlenvorhang) Die Gruppe 47. Sie wurde am 10.9.1947 gegründet. Unter anderem: eine Gruppe von Schriftstellern las sich – unter (ich sags mal so) der Leitung von Hans Werner Richter – Manuskripte vor und besprach sie heftigst. Wolfdietrich Schnurre – ich habe Texte von ihm verschlungen – las als erster. Später wurde ein Preis verliehen: Und Günther Eich bekam einen. Auch seine Texte haben mich in ihren Bann gezogen – was für absurde Texte! „Die Stunde des Huflattich!“ – zum Bespiel. Heinrich Böll, Paul Celan – sein Gedicht Todesfuge wurde abgelehnt – war nur kurz da, Grass aber auch Namen wie Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger sind zu nennen. Ich gerate ins Schwärmen – auch wenn ich einflussreichen Gruppen im Rahmen von Kultur skeptisch gegenüber stehe.

Nach all diesen Künstlern der schreibenden Zunft möchte ich noch kurz auf Toulouse-Lautrec hinweisen (+ 9.9.1901): Das Bild ist faszinierend – es sieht aus, als sei es einfach so hingemalt – und ausdrucksstark: http://www.tate.org.uk/britain/exhibitions/degas/images/artworks/womancurlingherhair_512.jpg 

Und zum Abschluss Vergnügliches: Peter Sellers (* 8.9.1925): http://www.youtube.com/watch?v=ZPyDY5aZyXs  

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