Bildungsfeindschaft der Christen

In dem Buch von Irmgard Bruns: Von der jüdischen Sekte zur Staatsreligion. Machtkämpfe im frühen Christentum – wird unter dem Abschnitt „Verzicht auf Bildung und Wissen, Kunst und Schöheit“ dargestellt, wie bildungsfeindlich die Christen waren. Es werden ein paar Gebildete (z.B. Origenes) genannt, dann aber überwiegend betont, dass mit dem Christentum all das Wissen und die Bildung der Antike zerfiel. Doch berücksichtigt sie gravierende sozialpolitische Ereignisse nicht: Der Staat war nicht mehr der blühende, reiche Staat, unter dem Wissenschaft und Bildung weiter geführt werden konnten – der römische Staat war aufgrund der inneren Zerrissenheit und der Angriffe von Außen im Zerfall begriffen. Bildung und Wissen der Antike hängen mit Geldgebern zusammen, somit mit Sklaverei, mit Ausbeutung. Dieses System konnte nicht mehr aufrechterhalten werden, und es musste mehr Wert gelegt werden auf andere Dinge: Nahrungsbeschaffung, Gemeinschaft, Gesundheit, Verteidigung… Die Ablehnung von Wissenschaft war vor allem dann bedeutend (z.B. auch Eusebios) als es darum ging, die Angriffe von philosophisch gebildeten Heiden abzulehnen, da wo Wissenschaft und Bildung eingesetzt wurden, um gegen das Christentum zu polemisieren, da wuchs auch die Kritik an den Vertretern dieser Bildung – geäußert von den philosophisch gebildeten Christen. Damit soll nicht gesagt sein, dass es nicht auch bildungsfeindliche Christen gegeben haben kann. Aber das hätte doch begründet dargelegt werden müssen. Ich habe das Buch nicht insgesamt gelesen – aber der Name des Boethius taucht im Index nicht auf. Wer über Wissenschaft schreiben will, die von Christen rezipiert wurde, kann doch an Boethius nicht vorbeigehen! Wenn man das tut, dann kommt man auf die Ideen, alle griechischen Überlieferungen in Westeuropa mit dem Islam in Verbindung zu bringen. – Übrigens: Mit einem Satz wird die Aussage Harnacks, dass sich das Christentum mit der griechischen Philosophie vermischt habe, sich hellenisiert habe, weggewischt. Das alles sind Dinge, die ärgerlich sind. Und das alte Lied, was Galilei betrifft, wird auch noch gesungen. Wer nicht weiß, was ich meine: Lesenswert

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