Christliche Ethik

Lust auf muslimisches Geschrei aus Belgien?  http://www.youtube.com/watch?v=dkKGCLeJXEc&playnext=1&videos=tXdJ-z7AOJQ 

An so einen Diskussionsstil 😉 muss man sich gewöhnen und man muss ihm standhalten! Aber darum geht es mir hier nicht, es geht um Ethik. Der kreischende Herr ist unter anderem dagegen, dass die Mädchen da so herumspringen. Auch wir Christen haben eine bestimmte Ethik – und diese Ethik, die manchen rigoros erscheinen mag, war ein wesentlicher Aspekt, der zur Erfolgsgeschichte des Christentums beigetragen hat. Die Menschen kannten das verlotterte soziale Zusammengeworfensein – und Juden-Christen kannten eine Ethik, die das Miteinander im Guten regelte.

Die Grundlage für den christlichen Glauben waren die jüdischen zehn Gebote (zusammengefasst lauten sie): Gott ehren – Sabbat heiligen (eine riesige soziale Errungenschaft!) – Eltern ehren – nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsches Zeugnis reden, nicht begehren, was dem anderen gehört. Diese zehn Gebote wurden wohl von Jesus zu einem Doppelgebot der Liebe zusammengeführt: Liebe Gott und deinen Nächsten. Das, was Liebe ist, musste dann konkretisiert werden und wurde von Jesus immer wieder an Beispielen dargelegt. Wir finden das zusammengefasst in der Bergpredigt (Matthäusevangelium 5-7) wieder. Der christliche Glaube ist von Haus aus jedoch keine Gesetzesreligion. Er geht davon aus, dass jeder Glaubende den Gottesgeist hat und darum mit Hilfe des neutestamentlichen Maßstabs selbst erkennt, wie dieses Liebesgebot im konkreten Fall zu leben ist. Aber um die einheitliche Grundstimmung der Ethik gibt es viele Diskussionen, so führt Paulus argumentativ eine Menge Argumente für Verhaltensweisen an, die das Zusammenleben erleichtern sollen.

Prägnant wurde später in der Kirche (ab dem 4.-6. Jahrhundert) von den sieben Todsünden gesprochen. Todsünden sind solche, die bewusst getan werden und sozial schlimme Folgen haben können (z.B. Mord) und darum von Gott abbringen: Hochmut (Ruhmsucht, Stolz), Neid, Zorn, Faulheit/Trägheit/Traurigkeit, Habgier, Völlerei/Unmäßigkeit, Unkeuschheit. Daneben gibt es die sieben Tugenden, die aus griechischer Philosophie und christlichem Glauben zusammengeführt worden sind: Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung + Glaube, Liebe, Hoffnung.

Im Laufe der Geschichte gab es dann unterschiedliche Konkretisierungen dieser Punkte: Manche waren so frei, dass sie sich um keine Gebote mehr scherten und andere waren so eng, dass alles nur noch gesetzlich geregelt war. Abgesehen davon musste der christliche Glaube aus diesen Vorgaben Regeln für das Zusammenleben erarbeiten, weil – wie jede gute Regierung – er ja auch gesetzgeberisch für ein funktionierendes Zusammenleben über Jahrhunderte hindurch mit beteiligt war. Und so kamen aus Gründen der Politik unterschiedlichste Einflüsse hinzu: griechische  und vor allem römische Rechtstradition, germanische Rechtsvorstellungen usw. usw.  

Und was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Sind die sieben Todsünden nicht – zumindest auszugsweise – Grundlage eines kapitalistischen Systems? Stehen die sieben Tugenden bzw. überhaupt das Nächstenliebegebot in der Kritik, weil sie nicht dem Individualismus huldigen, sondern das soziale Miteinander fordern? Auch die christliche Ethik steht vielfach dem Mainstream entgegen, was sich dann an ganz konkreten gesellschaftspolitischen Fragen manifestiert, zum Beispiel der Abtreibung, der „sittsamen“ Kleidung, des respektvollen Umgangs zwischen Mann und Frau usw. usw. … Eine Verbrüderung mit gesetzlichen religiösen Systemen ist jedoch genauso abzulehnen wie die Anbiederungen an die jeweiligen Modeströmungen. Christen haben ein Fundament – und auf diesem können wir auch in ethischen Fragen selbstbewusst stehen – und miteinander diskutieren, wir können um den richtigen Weg freundschaftlich ringen.

Impressum auf www.wolfgangfenske.de