Sauerland

Ich bewundere den dickköpfigen Herrn Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg. Da verlangt das Volk einen Sündenbock, es will einen Kopf rollen sehen – man kann sich wunderbar ins Mittelalter versetzen: Unschuldig oder nicht: Runter vom Podest, Kopf ab. All die Standhaften der Politik sagen es: Hannelore – nomen est omen – Kraft, der immer Rückgrat zeigende Bundespräsident Wulff, auch der Innenminister lässt verlauten, dass der Oberbürgermeister weiß, was er zu tun hat: Aber noch hält er stand. Bewundernswert. Und dann kommen noch solche Journalisten, die in die Welt setzen: Sauerland mache das nur, um sein Geld behalten zu können – das war besonders perfide und hinterhältig. Mit allen Mitteln schoss man auf diesen Mann: Er hält stand. Ich bewundere ihn. Und die Volkesstimme, die gegen ihn in der Tagesschau geschossen wurde… – ich finde, man sollte da nicht von Volkesstimme oder von Volk reden. Volk hat für mich einen positiven Klang. Was da zu Wort kam, kann man aus der Empörung verstehen – aber diese Menschen sollten doch mal überlegen, dass sie nicht anders handeln als diejenigen, die Frauen und Männer als Hexen auf den Scheiterhaufen zerrten, Kriegsgefangene und Sympathisanten durch die Straßen jagten. Ja, ja, ich weiß, das ist ganz was anderes. Aber vom Prinzip her ist es vergleichbar: Bevor Schuld oder Unschuld geklärt ist – auch politische Verantwortung – darf man nicht auf diese Art und Weise einen Menschen zum Sündenbock machen, darf man nicht seinen Kopf fordern. Apropos politische Verantwortung: Das Wort scheint heute identisch zu sein mit „Rücktritt“.

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