Geschichtsverfälschung

Überall sind Typen am Werk, die Geschichte verfälschen wollen. Unter dem Deckmäntelchen von irgendwelchen Zeitströmungen gehen sie dann gegen dieses und jenes an. Freilich gibt es Bücher und Filme, die Menschen diskriminieren. Die muss man dann auch nicht ansehen bzw. lesen lassen. Aber es gibt Bücher und Filme, die eine große Wirkungsgeschichte haben – und es auch nur können, weil sie den Zeitgeist widerspiegeln und ihn gleichzeitig zu überwinden versuchen. Und das herauszuarbeiten, das mit Schülern herauszufinden, das zeichnet einen wachen, toleranten Menschen aus. Aber ein Buch nur verbieten wollen, weil ein Wort darin begegnet, das man heute nicht mehr hören möchte, ist Kennzeichen von Verbohrtheit. Freilich hat das Buch auch Passagen, die Schwarze in einer demütigen Haltung zeigen – und agil ist der sie verteidigende Weiße – aber das kennzeichnet ja die Zeit. Schwarzen wurde täglich deutlich gemacht: Ihr seid nichts Wert – und das prägt auch das Selbstwertgefühl, das sich freiwillige Ducken. Und das spiegelt das Buch wieder und sollte ebenfalls mit den Schülern herausgearbeitet werden, weil es auch gegenwärtige gesellschaftliche Strukturen betrifft: Menschen, die permanent erniedrigt werden, treten auch so auf. Botho Strauß hat mal – ich meine, es war in Paare und Passanten – geschildert, wie eine Person aus dem Häuschen geriet, weil auf der Bühne ein Wort gesagt wurde, das ihr nicht gepasst hat – und sie hatte von dem Inhalt überhaupt nichts kapiert. Wie ein pawlowscher Reflex handeln solche, bzw. werden durch den Reflex getrieben zu handeln. Aber ein Lehrer sollte sein Reden und Denken reflektieren können… http://www.welt.de/politik/ausland/article8522361/Roman-Klassiker-soll-wegen-Nigger-auf-den-Index.html 

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