Reduktion

Der Mensch hat in der Moderne den Ansatz, alles zu reduzieren, alles auf den Punkt zu bringen: Gedichte – so kurz wie möglich; Bilder – so wenig bildhaft wie möglich; wissenschaftliche Veröffentlichungen – so knapp wie möglich; U-Bahn-Karten so grade und übersichtlich wie möglich, auch wenn sie mit der tatsächlichen Route gar nichts zu tun haben, und freilich Landkarten usw. – sie geben nicht einmal ansatzweise das dar, was Umwelt zu bieten hat: vom Baum zum Sandkorn, vom Insekt zum Säugetier; bzw. wie vielfältig ist auch die Stadt – und was die Landkarte wiedergibt ist ein roter Fleck. Und in diese klar strukturierte Sichtweise von der Welt passt auch Gott nicht hinein. Ich habe den Eindruck, dass sich das jedoch zum Teil ändert: Gemälde werden wieder „bildhafter“, Gedichte umfangreicher, es gibt wieder vermehrt opulente literarische Werke, Landkarten werden dank Google wieder „realistischer“ – und wie sieht es aus mit Gott?

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