BP

Alle Welt weiß, wie gefährlich das Zapfen von Öl aus den Weltmeeren ist. Alle Welt lebt davon, außer die Ölstaaten. Warum das Geschimpfe? Es ist zum Verzweifeln wie die Natur auf weiten Strecken gestört wird. Aber ich denke, das hat noch einen anderen Hintergrund: Es zerstört die Sicht auf die Allmacht der Technik. Da glaubt man, man habe alles im Griff und dann kann selbst etwas so alltägliches – wie Öl aus dem Meeresboden zapfen – diesen Glauben vollkommen durcheinanderbringen. Sicher, irgendwann werden sie es in den Griff bekommen – dann kann sich der Glaube an die technischen Fähigkeiten des Menschen wieder gemütlich zurücklehnen und sagen: Geht doch! Aber im Augenblick hat dieser Glaube an die technische Allmacht des Menschen einen Riss bekommen, der das Weltvertrauen mit Öl überflutet. Und nun? Verzweifelt versucht Obama nicht in den Strudel zu geraten und will weitere Bohrungen, die er gerade noch erlaubt hat, wieder verbieten. Doch gleichzeitig weiß jeder: Es wird nicht anders gehen. Denn wenn das Öl zu teuer wird, oder wir ganz abhängig sind von den Saudis und wie sie alle heißen, dann wird er es wieder erlauben müssen, weil vox populi nach Öl schreien wird, Natur hin oder her. 

Ich denke auch, dass der Vulkan diese apokalyptischen Kollapse der Technik unterstützt: So ein normaler Vulkan kann den Flugverkehr lahm legen – und es zeigt sich damit, wie sensibel unsere hoch technisch aufgerüstete Welt ist. Kommt Vulkan – kommt kein Flug. Uns Umweltschützer freut es, wie es uns freut, dass Ölbohrungen untersagt werden. Aber ich befürchte: Wir können uns nur so lange freuen, so lange das Geld da ist, um solche Dinge unbeschadet zu überstehen. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht und keine wichtigen Maschinenteile aus China geliefert werden können, dann wird vox populi giftiger als es jeder Vulkan oder jedes Öl werden kann. 

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