Geistlos

Am Geist Gottes kommt keiner vorbei. Freilich, es ist eine Frage der Interpretation. Ein Mensch, für den Gott nicht existent ist, interpretiert die Vergebungsbereitschaft des Menschen, die Liebe, die Zuwendung so: der Mensch ist gut. Der Christ interpretiert das: Gottes Geist schenkt dem Menschen Kraft, nicht nur zerstörerisch zu wirken. So ist alles eine Frage der Interpretation, des Weltbildes. Und: Dann grenzt man sich auch von der Kirche, die Gottes Geist hat, ab und meint: Sie sei das Übel schlechthin – und dabei hat man Scheuklappen auf den Augen, die einfach nicht sehen wollen, dass überall da, wo wahre Kirche wirkt, der Motor für Liebe angeworfen ist. So liebt man herauszuposaunen: Mission ist ein Übel, Diakonie/Caritas ist ein Übel – alles ist übel. Dagegen wird nicht gesehen, dass die heutige mehr oder weniger atheistische Gesellschaft genauso missionarisch wirkt: Kapitalismus und Kommunismus sind ebenfalls überall präsent, sie entwurzeln Menschen und erniedrigen sie. Warum mag man nicht die aufopfernde Liebe so vieler Menschen in den Ortsgemeinden, den Klöstern sehen? Täglich betreuen und versorgen sie überall auf der Erde Ausgestoßene, Kranke, Menschen, die sich selbst nicht helfen können. Täglich versuchen sie, Menschen zu ermöglichen, Nahrung zu bekommen, Leben weiterzugeben. Sie können nicht alles tun – aber es ist ärgerlich, wenn die Kritiker nichts anderes tun können, als den Mund aufzureißen. Leute, macht es besser! Besser machen heißt nicht: Survival of the fittest zu propagieren. Fans dieser These sind Geist-los. Gottes Geist wirkt überall da, wo der Schwächste umliebt wird. 

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