Neutralität

Es gibt immer noch Menschen, die meinen, es gäbe so etwas wie eine über allem stehende Neutralität – und sehen diese im Atheismus. Atheismus ist genauso wenig neutral wie es Religionen sind. Oder: Wirtschaft und Wissenschaft stehen in unserer westlichen Tradition – und sie sind auch nicht neutral: Sie werden anderen Völkern übergestülpt, die dadurch zum Teil desolate Zustände bekommen, weil unsere Wirtschaft und Wissenschaft nicht mit deren Weltbild kompatibel sind. McDonalds, CocaCola, Daimler, Nestle, Procter&Gamble… – sind alles Ausdruck dieser unserer auch aus dem Christentum kommenden Weltanschauung. Die sind nicht neutral. Wer unsere Wissenschaft und Wirtschaft und den Atheismus als neutrale Weltanschauungen ansieht, steht auf dem Holzweg, auf dem auch Religionen stehen: Man sieht sich selbst und seine Weltanschauung als Maßstab für alle anderen an. Wir Menschen können nicht über diesen Schatten springen. Manche müssen die Neutralität für ihre Weltanschuung freilich immer wieder propagieren, weil differenziertes Denken nicht jedermanns Sache ist. Warum ist es so wichtig, das zu sehen? Ich stelle mich dann ganz bewusst in eine Weltanschauung, sehe sie auch als die Wichtigste an – achte aber die anderen, weil ich weiß, dass auch meine nur eine Sichtweise unter anderen ist. Was mich betrifft: Ich bin stolz darauf, Christ zu sein, weil ich die vielen guten Seiten des christlichen Glaubens sehe – auch, weil ich die dunklen Seiten verarbeiten kann und nicht leugnen muss. Christlicher Glaube ist für mich also Maßstab. Gleichzeitig sehe ich aber, dass es auch andere Religionen und Weltanschuungen gibt, die ich in einem bestimmten Rahmen achten kann und muss. Ich lerne auch von ihnen: Durch Konfrontation mit anderen, lerne ich meine Sichtweise zu reflektieren, aber auch zu korrigieren. Das geht dann nicht mehr, wenn ich meine eigene Sichtweise für tabu, sakrosankt oder sonstwas erkläre. Und davor sind heute viele Atheisten nicht gefeit.  

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