Religion + Frau

In einem Interview, in dem die Rechtsanwältin Gülsen Celebi, die sich für den Schutz von muslimischen Frauen einsetzt, befragt wird, heißt es, dass der „Islam… in der jetzigen Form nicht mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar“ sei. „Das Schlimmst für eine Frau ist es, auf einen patriarchalischen, strenggläubigen Mann zu treffen. Überhaupt betrachtet jede Religion den Mann als etwas Besseres.“ http://europenews.dk/de/node/31477 

Das ist wieder eine solche Verharmlosung: Im Islam gibt es patriarchale Strukturen – aber in den anderen Religionen auch. Sicher, aber es gibt doch einen gewaltigen Unterschied: Wie spricht das Alte Testament von Frauen? In der Schöpfungsgeschichte Genesis 1 ist die Frau mit dem Mann Ebenbild Gottes, in der Schöpfungsgeschichte Genesis 2 ist sie die Krone der Schöpfung, wenn man beachtet, dass der Kontext noch matriarchalische Herkunft widerspiegelt. Im Lauf der Zeit hat sich dann die Benachteiligung der Frauen je nach Lage stärker durchgesetzt. Im  Neuen Testament lässt Jesus Frauen genau die Zuwendung zukommen, die er auch Männern zukommen lässt. Dass er nur Männer zu Apostel gewählt hat, hängt mit der Gefährdung von Frauen zusammen, die allein unterwegs waren: Er konnte sie ja nicht als Botinnen aussenden. Das gilt auch für die frühe Gemeinde. Ich zeige in meinem Paulusbuch, dass Paulus mit Männern wie Frauen gleichermaßen umgeht – freilich kann auch er keine Schülerinnen ausschicken, die kämen angesichts der üblen gesellschaftlichen Verhältnisse nie dort an, wohin er sie geschickt hätte. Die gravierendste Bevorzugung des Mannes finden wir im Epheserbrief: Die Frau solle sich dem Mann unterordnen… Das ist der Versuch, das empfindsame Miteinander zweier Menschen in eine Richtung zu lenken: Wenn zwei, die zusammengehören, nicht an einem Strang ziehen, dann kanns nichts werden. Sie müssen in eine Richtung schauen – und dem Mann wird hier die Führungsrolle zugewiesen, aber: „Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus seine Gemeinde liebt, für die er sein Leben gab…“. Damit bekommt die erste Aussage ein neues Vorzeichen, das nicht mehr als Unterdrückung gekennzeichnet werden kann. Die Gemeinde in der Folgezeit beschritt dann vielfach eigene Wege, die Frauen den Raum nahmen. Aber wie viel großartige Frauen spielten im christlichen Glauben immer eine Rolle, haben die Kirche weitergebracht. Das darum, weil die christliche Grundlage, das Neue Testament, neben Texten, die Frauen klein halten, immer auch großartige Texte beinhaltet, die sie wie dem Mann zum Ebenbild Gottes macht, ihr gleiche Rechte zukommen lässt, gleiche Freiheit, Ehre usw. Mit dem Neuen Testament bekommen patriarchalische Strömungen immer einen Stachel. Auch mit dem Koran? Wäre Aisha nicht ein schönes Vorbild für die Muslima? Soweit ich sie vom Hadith einschätze, war sie eine recht selbständige Person, die auch ihrem Mohammed Paroli bieten konnte.

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