Kirche + Islam 4

Ich hatte neulich Stimmen von Menschen der Kirche genannt, die dem Islam gegenüber kritisch eingestellt waren. Nachdem Johannes von Torquemada die 40 wichtigsten Irrlehren des Islam zusammengestellt hatte (1459) hat Johannes von Segovia nach dem Fall von Konstantinopel mit einem Korangelehrten den Koran übersetzt, weil er während seiner Arbeit zu einer geistigen Widerlegung des Islams in einer älteren Koran-Übersetzung auf Ungereimtheiten gestoßen war (De mittendo gladio in Saracenos). Reinhold Glei schließt einen Artikel über diesen Mann mit einem Zitat aus seinem Brief an Nicolaus von Kues: „ob man nicht von der notwendigen Verteidigung abgesehen, vielmehr den Weg des Friedens als des Krieges zur Überwindung der Sekte Muhammads beschreiten solle“ http://www.schattenblick.de/infopool/geist/history/ggmit018.html . Hier sieht man den Realpolitiker: Verteidigung + Friedensweg zur Überwindung! Nicht: Geschehenlassen + Friedensweg, sich überwinden lassen.

Nikolaus von Kues, ein in seiner Zeit kirchenpolitisch sehr reger Mann, der energisch bei so manchem Fürst aneckte. Er wollte im Vatikan Reformen durchführen, glaubte jedoch, dafür ausgelacht zu werden. Dieser berühmte Mann beschäftigte sich im Zusammenhang mit der Eroberung Konstantinopels durch Muslime intensiver mit dem Islam: „Über den Frieden im Glauben“ (1453) und „Sichtung des Korans“ (1460/61). Die Intention seiner Philosophie bestand darin: Man solle sich anstrengen,  Gegensätze, auch die, die überhaupt nicht zusammenpassen, zusammenzudenken. Das sei möglich, weil der Grund von allem ebenfalls Einheit sei. Für das Verhältnis Christentum-Islam bedeutet das, dass alle Religionen – von dieser Einheit ausgehend – im Lauf der Zeit unterschiedlich historisch geprägt worden seien, darum bestehe kein Grund, Meinungsverschiedenheiten mit Waffengewalt auszutragen. Freilich – auch er sieht realistischer als so mancher es heute sehen möchte: Das Christentum muss Muslimen so erklärt werden, dass sie erkennen, dass es auch die Grundlage ihrer Religion sei. 😉  

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