Naturwissenschaft-Theologie

Während es den Naturwissenschaften darum geht, die Welt – was die Natur betrifft – zu erklären, soll es der Theologie bzw. dem Glauben darum gehen, den Menschen zu stabilisieren und Wegweisung zu geben. Ist dem so? Versucht die Naturwissenschaft nicht alles in ihre Hand zu nehmen? So zum Beispiel mit der Hirnforschung. Die Hirnforschung erklärt, was das Leben stabilisiert…, die Hirnforschung will erklären, was es mit Glauben auf sich hat – damit verbunden wird Glaube und Gott in Eins gesetzt: Wer Glauben erklärt, meint, Gott erklären zu können… Die Welt, der Mensch, sein Denken und Sprechen, seine Emotionen sind so komplex, dass mir eine Reduzierung auf Naturwissenschaften vorkommt wie die Verwechslung einer Skizze mit der Natur. Oder: Wenn ich mir ein Foto von einem Baum ansehe – ist das der Baum, ist das die Natur? Wir Menschen können uns immer nur ein Bild machen – aber das Dahinter, das Mitgegebene können wir das erfassen? Und: Wer ist das „wir“, das „ich“, das erfasst: Können wir uns von uns selbst so abstrahieren, dass es nicht immer in der Beurteilung des anderen mit hineinspielt? Ich liebe Heraklit (wahrscheinlich weil in ihm jeder hineinlegen kann, was er will 😉 ): „Niemals steigt man in denselben Fluss.“ Warum nicht? a) Weil das Wasser fließt, der Fisch, der soeben da war, nun wo anders ist, wenn er denn überhaupt noch ist, die Sandkörnchen sich verändert haben usw. b) Wenn ich wieder in diesen Fluss hineinsteige: Was hat sich alles an mir verändert? Zellen haben sich erneuert, Haare sind vom Kopf gefallen, ich spüre das Wasser nun wärmer oder kälter, ich habe andere Stimmen von Menschen und Tieren wahrgenommen, andere Düfte… Theologie und Philosophie werden immer auch auf diese Dinge hinweisen müssen. Das Bild, das Naturwissenschaften zeigen, ist immer nur fragmentarisch, weil der Mensch selbst unvollendet ist. Und was hat die Theologie damit zu tun, die Lehre von Gott? Dazu s. den Blogbeitrag: Der/das Fremde (3).

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