Medien-Mixa

Nun steht Mixa am Pranger. Mixa soll vor längerer Zeit Kinder geschlagen haben. Und das wird dann auch noch von der Tagesthemen-Dame als Top-Thema vorgestellt. Ich weiß nicht, ob er es getan hat oder nicht. Früher war das ein Teil der Erziehungsmethode – von daher finde ich es ein wenig voreilig, wenn das sofort dementiert wird. Man kann wohl schon sagen, dass einige der älteren Erzieher hier an den Pranger gestellt werden könnten. Dann kommen die anklagenden Herrschaften sofort mit eidesstattlichen Erklärungen. Kamen die Leute von sich selbst aus oder hat man sie als investigativer Journalist lange suchen und bedrängen müssen? (Nach den Informationen der letzten Tage, in denen ein ORF und ZDF Reporter ihre agents provocateur – richtig geschrieben? – selbst mitgebracht haben sollen, ist man vorsichtiger.) Ich wundere mich nämlich, dass erst jetzt welche genannt werden. Dann: Wie will einer beweisen, dass er sagen wir am 2.6.1951 diesem Kind gar nicht nahe war. Machen diejenigen, die das auch noch mit dem Wort „brutal“ verknüpfen (die oben genannte Tagesthementante) sich eigentlich deutlich, wie sehr sie damit die sexuellen Misshandlungen nun einfach übergehen?

Nun geht es nur noch gegen Mixa, den Kritiker. Es geht weder um die Kinder, denn dann hätten sie schon viele, viele Nachrichten zu dem Thema senden können. Ich habe übrigens neulich kurz in den den Film Blutdiamanten hineingeschaut. Wie in Afrika mit Kindern umgegangen wird! Ich habe gestern von dem Mädchen berichtet, das entführt wurde und als Sklavin gebraucht wurde, ich glaube, ich habe schon von den Kindern geschrieben, die als Sklaven Gelder eintreiben müssen, habe ich schon von den versklavten Kindern in Zentralafrika geschrieben? Häufiger nannte ich schon Kinder in Pakistan. Wo bleiben die Journalisten, dass sie das immer wieder bringen, bringen und bringen, bis die UN und wie die Vereine alle heißen unruhig werden? Nichts. Da bringen sie dann einen Menschen ins Rampenlicht, der vor x Jahren einmal von einem anderen geschlagen worden sein soll. Verzweiflung an unseren Medien möchte sich breit machen. Die haben solche riesigen Ressourcen an Geldern und Menschen, auch wenn sie immer klagen – und setzen es so wenig sinnvoll ein. Ich weiß, ich habe die Klage eines angehenden Journalisten gehört: Er wollte Unrecht aufdecken in seinem Job und dann musste er über Kaninchenzüchter, Kirchenbasare und Kerbeburschen berichten. Diese Anfänge prägen wahrscheinlich die Berufsausübung ein Leben lang. (Um nicht missverstanden zu werden: Die Berichte aus den Vereinen sind gesellschaftspolitisch wichtig – aber so mancher Journalist wird wohl enttäuscht sein, dass sein Jugendtraum von dem, was er als Journalist wollte, sich nicht weiter entwickeln konnte.)  

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