Universitäts-Theologie

Ich verstehe nicht ganz den Widerstand einzelner gegen einen Artikel in der SZ, in der es um muslimische Theologie an den Universitäten geht. http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/466/501719/text/

Universitätstheologen sind überwiegend stolz darauf, nicht von der Institution Kirche abhängig zu sein. Damit ist die Möglichkeit gegeben, Theologie rational zu treiben… Freilich ist das immer recht labil – aber es besteht die Möglichkeit, dass Kirchen sich weitgehend zurückhalten. Und wenn Islam-Lehrstühle eingerichtet werden, dann sollte diese relative Autarkie auch die Grundlage sein. Ich weiß, auch ein Orthodoxer Lehrer an der Uni kann in einer Unterwerfungsgeste den Ring des Patriarchen küssen – aber das sollten Übergangsphänomene sein. Entsprechend wäre es schön, wenn die Islam-Lehrer auf Dauer so selbstbewusst und stolz werden, dass sie unabhängig arbeiten können, um damit der Koranauslegung neue Impulse zu geben, die dann auf kurz oder lang weiter in die muslimischen Gemeinden eindringen. Und das kann ja für den Staat nur von Nutzen sein. Ich glaube freilich nicht, dass der Islam bzw. die hier selbsternannten Vertreter schon dazu bereit sind, solche unabhängigen Lehrer zuzulassen. Was tun? Der Staat sollte behutsam versuchen, hier zu tun, was seine Sache ist – aber auch knallharte Forderungen stellen. Und die Bevölkerung sollte tun, was sie als ihre Sache ansieht: kritisches Begleiten dieser Unternehmungen. Alle, die das von Anfang an heftig und grundsätzlich ablehnen, laufen in meinen Augen irgendwelchen Träumen nach. Kritische Begleitung benötigt der Staat, weil sich seine Vertreter in den oberen Rängen gerne über den Tisch ziehen lassen. Und das ist – soweit ich das beurteilen kann – nicht im Interesse der Bewohner. Weder im Interesse der liberalen Muslime noch der übrigen Migranten und Deutschen. Die liberalen Muslime sind ja die ersten Opfer ihrer martialischen Genossen. Die Geschichte lehrt eigentlich, dass das Vorhaben misslingen muss, weil Islam und ratio bzw. Aufklärung nicht kompatibel sind, da haben die Gegner dieser Bestrebungen Recht. Aber solange eine Gesellschaft stark genug ist, allen Verirrungen Einhalt zu gebieten und Korrekturen zu fordern, solange müsste man zumindest einen Versuch wagen – auch wenn ich selbst äußerst skeptisch bin, dass er gelingt. Sobald der Staat aber merkt, er kann die Auswüchse bald nicht mehr bändigen, muss dieses Projekt abgebrochen werden. So wenn z.B. an der Uni Islam-Lehrer ausgebildet werden, die den Schulunterricht gegen den Geist der Freiheit, der Demokratie, der Menschenrechte… benützen. Mein Problem sind in dieser Hinsicht sind nicht die Muslime, sondern die Vertreter des Staates, die sich mir als äußerst unterwürfig darstellen. Und darin liegt die Gefahr, dass sie sich über den Tisch ziehen lassen und dann eine Korrektur der falschen Wege nicht mehr möglich ist. Denn vor einem Islam, wie er sich heute und in der Vergangenheit darstellt, muss die freie Welt auf der Hut sein, äußerst auf der Hut sein. Dass sich die nichtislamische Bevölkerung den Wünschen des Islam anpassen sollte – diese Forderungen begegnen uns ja allenthalben: Ich sage nur: Schinkenbrot. Schon wer beim Schinkenbrot nachgibt, der hat verloren, weil er sich zum Sklaven einer anderen Religion macht. Und das hört ja schon heute beim Schinkenbrot nicht auf: Einschränkungen beim Schulunterricht für Mädchen, Einschränkungen christlicher Traditionen, weil sie einzelnen Muslimen nicht passen könnten usw.usw.

Freilich ist mir die Frage im Ohr: Ist das nicht anmaßend, den Islam verändern zu wollen, der sich seit Jahrhunderten in dem bekannten Maße verfestigt hat? Empfinden nicht auch die Muslime das als Angriff, wenn ein westlicher Staat ihre Religion beeinflussen will? Ich habe darauf keine richtige Antwort. Meine Antwort ist nur: Es gibt so manchen Muslim und so manche Muslima, die mir Anlass zur Hoffnung geben. Es wäre schön, wenn sie mutiger werden würden – wie auch die Nichtmuslime mutiger werden müssen, trotz alles ideologischen Weh-Geschreis und Beleidigtseins, das, was falsch läuft, beim Namen zu nennen.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de