Mohammedaner – Muslim

Warum finde ich die Bezeichnung Mohammedaner nicht falsch? Muslime mögen nicht, wenn man sie Mohammedaner nennt, weil sie, so die Begründung, Mohammed nicht anbeten. Ich denke, die Bezeichnung ist nicht falsch, weil sie Mohammed verehren, ihm und seinem Koran/den Hadithen als Leitstern folgen. Das Anbeten ist nicht das Kriterium. Christen heißen ja nicht unbedingt Christen, weil sie Jesus Christus anbeten, sondern ihm nachfolgen. Da wird einfach diese Definition gegeben: Christen beten Christus an, also wollen wir nicht Mohammedaner genannt werden, weil wir nicht Mohammed anbeten. Und wir sollen dieses Kriterium einfach so schlucken?

Aber das ist nicht der eigentliche Grund dafür, dass ich die Bezeichnung nicht falsch finde. Der eigentliche Grund besteht darin, dass Muslim bedeutet: Ein sich Gott Ergebender. Aber ich sehe mich als Christ selbst als einen an, der sich Gott ergeben hat. Und wenn ich den Islam als Gottesoffenbarung ablehne, kann ich den Muslim nicht als einen bezeichnen, der sich Gott ergeben hat. Im Gegenteil: Mohammed hat – so sehe ich es, wenn ich seine Theologie mit den Aussagen von Jesus Christus vergleiche – seine Meinung zu Worten Gottes /Allahs gemacht und sie dadurch hermetisch von Kritik abgeschlossen. Wie würden wir heute einen beurteilen, der irgendetwas sagt – und dann sagt: das darf keiner kritisieren, weil es Wort Gottes ist… – und sollte Mohammed von dieser Kritik ausgeschlossen werden, nur weil er viele Anhänger hat? Das sehe ich als Christ nicht ein.

Ich bin dagegen, dass wir uns einfach Begriffe aufoktroieren lassen sollen oder Definitionen, wenn wir mit ihnen nicht einverstanden sind. Das betrifft auch die vielen Versuche, den Gott, den Jesus Christus und wir als Vater anreden, einfach so vereinnahmen zu lassen, indem man sagt, das ist alles eh ein Gott. Nein, das Gottesbild Mohammeds unterscheidet sich von dem Gott, wie wir ihn durch Jesus Christus und unserem Leben kennen, massivst. Unser Gottesverständnis einfach so dem islamischen oder einem Allerweltsverständnis auszuliefern, so dem Reden von den Abrahamitischen Religionen, das kann ich nicht akzeptieren. Ich empfinde es als im höchsten Maße unehrlich. Und das geht bekanntlich dann nicht allein um Gott, denn mit dem Gottesverständnis ist ja auch das Menschenbild verbunden. Jesus nennt Gott Vater: Und wir können ihm wie einem liebenden Vater begegnen. Mohammed will, dass der Mensch sich Allah unterwirft. Darum auch die Füße küssende Gebetshaltung. Wir stehen unserem Gott stehend, hoch erhobenen Hauptes gegenüber (auch wenn wir ihn neigen sollten). Nicht, weil wir so arrogant sind, sondern weil er es so möchte. Darum können wir in den Spuren Jesu auch nur die Freiheit, die Unversehrtheit des Menschen fordern und fördern und nicht die Unfreiheit, die Erniedrigung von anderen. (Ich weiß: Jetzt denkt so mancher wieder: Und die Kirchen? Ja, die Kirchen haben sich schon häufig verirrt und müssen immer wieder zurückgeholt werden: Reformbestrebungen in den Klöstern, in den Hierarchien, Reformationen… Menschen, auch Kirchen haben die Tendenzen, sich zu verirren. Aber darum auch die ständigen Mahner, die versuchen, die Institution zur Botschaft Jesu zurückzubringen.) Mit dem Gottesbild hängt das Zusammenleben mit den Menschen zusammen. Und von daher bedeutet für mich, unseren Gott anderen Gottesvorstellungen zu opfern, auch die Freiheit und die Liebe des Menschen zu opfern. Und es wäre schön, wenn sich im Dialog dieses Gottesbild, besser: Gott gegen alle menschlichen Widerstände schneller durchsetzen könnte. Auf lange Sicht wird er es sowieso tun.

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