Appeasement

Eine Leserin fragte mich, wo stehst du eigentlich, was den Islam betrifft. Bist du für oder gegen ihn? Man wird aus deinem Blog nicht schlau. Als Christ der ich als Wolfgang Fenske bin, lehne ich den Islam in seinem Widerspruch gegen christlichen Glauben ab. Warum? Weil er dem christlichen Glauben in wesentlichen Punkten widerspricht. Warum sollte ich jemanden hofieren, der in meinen Augen etwas sagt, das nicht stimmt und sich gegen mich wendet? Das machen andere Gruppen ja auch nicht. Genauso wenig wie ein Atheist den Christen hofiert und ich ihn hofiere, kann man auch nicht erwarten, dass der Islam von mir hofiert wird.

Aber: Das bedeutet nicht, dass ich den Muslim als Menschen ablehne. Er hat seine Religion – und entsprechend verhalte ich mich ihm als Menschen gegenüber – wie auch einem Buddhisten, Hindu, Atheisten gegenüber. Er will leben, lieben, essen, trinken, Kinder zeugen und begleiten, wie jeder Mensch. Ich muss ihm respektvoll begegnen – aber ohne Unterwürfigkeit. Ich bin ein Mensch, der kommunikationsorientiert ist – und auch von anderen verlangt, dass sie offen und ehrlich mit mir kommunizieren. Von daher sind alle Abschottungstendenzen gegen unsere offene Gesellschaft gerichtet. Ebenso alle Tendenzen, Menschenrechte außer Kraft zu setzen. Und dagegen habe ich massiv etwas – und sage es auch. Z.B.: Unsere offene Gesellschaft lacht im Grunde über alle, die eingeschnappt sind, wenn etwas gesagt wird, das ihnen nicht passt. Und daran muss sich jeder gewöhnen, statt ständig zu verlangen, dass man auf seine Gefühligkeit Rücksicht nimmt. Und damit beginnen im Grunde schon die Einschüchterungen der Mitmenschen. Man mag niemanden beleidigen, darum fühlt man sich schuldig, falls sich jemanden beleidigt fühlt. Wenn aber jemand Beleidigtsein als Trick anwendet, um Diskussionen abzuwürgen, dann macht er sich lächerlich. Damit habe ich nur einen gering scheinenden Punkt aufgenommen.

Meine Hoffnung ist – neulich klang es schon an – dass der Islam sich ebenfalls öffnen kann, auf Dauer öffnen kann. Je mehr Kontakte er mit uns hat und wir mit ihm, desto freier, so hoffe ich, werden die engeren Muslime. Freilich ist Eile geboten. Warum? Weil ich sehe, dass die Tendenzen, sich abzuschotten, arrogant die Frömmigkeitsgenossen von anderen Menschen fern zu halten, immer stärker werden. Und darum stehe ich auch den großen Moscheebauten skeptisch bis ablehnend gegenüber. Nicht den kleinen Moscheechen, in denen man sich zum Gebet usw. trifft, sondern den großen, die alles beinhalten, von der Bibliothek bis hin zum Bäcker, von der Schule und dem Kindergarten bis hin zum Kleidermarkt. Diese lehne ich als Mensch dieses Staates mit seiner Gesellschaftsordnung ab, weil sie die Abschottungstendenzen fördern und damit den Staat untergraben. Ich sehe, dass der türkische Staat immer stärker in die Religionspolitik und das alltägliche Leben unseres Landes durch die DITIB eingreift und damit für unser Land unheilvolle Wege geht. Das heißt: Wenn das gelingt, dann sehe ich unsere Gesellschaft als sehr gefährdet an. Im Augenblick kann es noch geändert werden, wenn der Staat sich nur nicht immer solche Extrem-Gesprächspartner aussuchen würde, ihnen nicht mehr Rechte einräumen, sie nicht auch noch finanzieren und Plattformen bieten würde. Liberale Muslime sollten gestärkt werden, nicht die Extremen. Extreme sollten auch in der Türkei bleiben und Lehrer usw. sollten hier ausgebildet werden. Und da sehe ich überhaupt kein Konzept der Politiker. Man angelt sich irgendwelche konservativen islamischen Knochen, die den Mund am weitesten aufreißen und auch vor Drohungen nicht zurückschrecken und versucht mit denen irgendwas auf die Reihe zu bringen. Und das ist für unsere Gesellschaft von größtem Übel.

Ich habe noch die Hoffnung, dass Muslime nicht beleidigt sind, weil man irgendwas über Mohammed und seinen Koran sagt, sondern dass sie beleidigt sind angesichts des Unrechts, das im Namen Allahs begangen wird. Ich zensiere im Blog, ich biete schlimmste Nachrichten gar nicht. Nachrichten, die Untaten im Namen der Scharia nennen. Manchmal könnte sich einem der Magen umdrehen. Das sind Beleidigungen Gottes, der den Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat. (Und wenn ich so etwas gelesen habe, bin ich in den Artikeln manchmal recht sarkastisch.) Und ich hoffe sehr, dass Muslime das einmal erkennen und massiv religiös gegen solche Blasphemien in ihren Reihen vorgehen. Es gibt schon manche, die es tun. Und diese geben Hoffnung – auch wenn sie von ihren Genossen stark angefeindet werden und sehr gefährdet sind.

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de

Eine Antwort auf „Appeasement“

  1. “Wörtlich sagte Schäuble: „Wenn heute vier Millionen Moslems in Deutschland wohnen, dann müssen wir die integrieren und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Religion zu leben.“
    Ja, lieber Herr Schäuble, wer n i m m t den Muslimen in unserem Land denn die Möglichkeit, „ihre Religion zu leben“?
    Es ist inzwischen hinlänglich qualvoll offenbar, dass gerade SIE das freie und das befreiende Wort zwischen Christen und Muslimen behindern. Sie sind es, der den ehrlichen und sachlichen Dialog fast unmöglich macht durch seine Geistesstarrheit, die eine klare historische, religiöse und politische Sicht und Darstellung des Islam mit allen Mitteln verhindert. Sie sind es doch, der der weithin überwiegenden Mehrheit friedliebender Muslime in unserem Land den Mut nimmt, sich gegen die diskriminierenden Verhaltensweisen ihrer hochpolitisierten „Glaubensgenossen“ zu wenden und sich dieser zu erwehren. Sie, Herr Schäuble, sind es doch, der mit fragwürdigen -in jedem Fall unglaubwürdigen(!)- muslimischen Elementen den „Dialog“ favorisiert und ehrliche Vertreter der Mehrheit der Muslime im Land außen vor lässt!
    Lesen Sie denn nicht die vielen Stimmen, die mit WF die Sorgen um alle Beteiligten in der Sache leidend verfolgen
    und teilen?
    Sie haben doch „Vorleser“ genug……
    Sicher, Sie sind es nicht alleine. Auch andere Ihrer Parteifreunde haben sich auf die schlichte und falsche Fährte Ihrer Argumentation geschlagen……
    Aber warum nur verschließen Sie sich den Argumenten derer, die Ihre Argumentation nicht nachvollziehen können?
    Fragen über Fragen an einen Politiker unseres Landes, der einmal vernünftige Politik machte……….
    Das
    zutiefst besorgte Echolot

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