Feindesliebe

In open-speech habe ich folgenden Text eingebracht:

Ich denke schon, dass es sich lohnt auch bei provozierenden Aussagen zu antworten. Viele wissen nämlich nichts vom christlichen Glauben, weder von der Bibel – noch von christlicher Geschichte. Was sie wissen ist, der Christ soll seinen Feind lieben – und das heißt: bei allem klein beigeben. (Ob sie es selber tun oder nur von anderen fordern – mag ich nicht beurteilen.) Sie wissen: Jesus hat sich kreuzigen lassen und um Vergebung für seine Feinde gebetet. Aber spätestens seit Gandhi und Martin Luther King sieht man, dass die Feindesliebe den Feind nicht in Ruhe lässt, sondern ihn pisackt, ihn angeht, ihn ärgert – bis sich Wahrheit und Gerechtigkeit durchsetzen. Mit klein beigeben hat das nichts zu tun. Wenn Jesus klein beigegeben hätte, wäre er auch nicht gekreuzigt worden. Den Feind zu lieben, heißt ja gerade auch, ihn für die Wahrheit zu öffnen, sie ihm nicht zu verschweigen… – eben aus Liebe gilt die Botschaft auch den Muslimen, zählt Kritik an ihrer Religion zur Liebe, fordert der christliche Glaube im Sinn Jesu geradezu Kritik an dem Unrechtssystem um der Menschen willen…

Weiterführend: Und wenn Christen, die gefangen genommen worden sind, ihren Feind pflegen, warum sollte das so ärgerlich sein? Vielleicht werden ihm dadurch die Augen geöffnet? Diese Haltung kennzeichnet Christen seit ihrem Bestehen. Das mag großen Helden, die ihre nicht vorhandene Waffe nehmen wollen und zumindest theoretisch um sich schlagen, um möglichst viele Feinde in den Orkus zu stoßen – um dann selbst heldenhaft den Heldentod zu sterben – nicht gefallen. Man bedenke, dass sehr viele Christen wegen dieses ihres Glaubens sterben. Und dennoch breitet sich der Glaube immer weiter aus – auch gerade wegen dieser Haltung. Darum stehen die paar Christen ja auch in islamischen Ländern so im Fokus: Ihre Haltung ist gefährlich, weil sie immer auch werbend ist. Christen haben manchmal andere Ziele als Menschen, die national denken… Nun denn – ein weites Thema.

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