Bibel 3

Das sehen nicht alle Christen so. Gewiss. Ich selbst bin mit allen Wassern der historisch-kritischen Exegese gewaschen worden – und weiß von so manchem, dass er sich nicht gerne mit Menschen sehen lassen würde, die das nicht sind. Es ist so eine Art Wissenschaftshörigkeit. Und dann habe ich viel gelernt von Menschen, die nicht nur über den Glauben nachdenken, sondern auch aus ihm heraus leben. Auch hier habe ich so manchen kennen gelernt, der nicht unbedingt freudig auf kritische Exegeten zu sprechen ist. Ich möchte nicht sagen, dass es Glaubenshörigkeit ist, sondern das ist so eine Art Traditionshörigkeit. Bei den Wissenschaftshörigen wie den Traditionshörigen gibt es so manche, die nicht mit dem jeweils anderen reden, sondern über ihn. Und das nicht unbedingt wohl gesonnen, sondern arrogant. WWJD: What Would Jesus do? Aber es gibt auch sehr viele, die es gern haben, miteinander zu reden, die von einander lernen, weil sie wissen: Wir gehören in Jesus Christus zusammen, die von dem Reichtum anderer Glaubender profitieren. Manche Dinge können wir nicht miteinander klären – sondern müssen es in Liebe eben so stehen lassen und dabei nie das Gespräch abbrechen lassen, auch nicht das gemeinsame Feiern, das gemeinsame Wirken – denn es gibt immer einer der größer ist, der verbindender ist als all die kleinkarierten menschlichen Trennungen. Christen sprechen hier von Jesus Christus, ihrem Herrn. 

Freilich gibt es auch notwendige Distanzierungen: Wenn eine christliche Gruppe sich gewalttätig, ideologisch gegen andere verhält, es sei an die Deutschen Christen im National-Sozialismus erinnert; es sei an die gewalttätige Gruppe in Ostafrika erinnert (deren Namen ich vergessen habe), die nur Terror verbreitet; es sei an die rassistischen Gruppen erinnert, die ihren Rassismus christlich herzuleiten versuchen; kritisch begleiten muss man die Gruppen, die Angst vor Repressalien haben und darum andere Christen ausgrenzen, leugnen (so die traditionellen christlichen Gruppen, die sich von den neu Konvertierten abgrenzen, verständlicherweise – um nicht selbst Leiden zu müssen). Oder: Manchmal meint eine herrschende Gruppe sich durchzusetzen – aber es rumort in ihr, weil viele merken: da geschieht Unrecht. Ich denke da an die Frage der Abtreibung. Irgendwann wird auch hier wieder die Mehrheit zur Besinnung kommen.

Was hat das alles noch mit dem Thema Bibel zu tun? S. Bibel 1: Sie ist im dort genannten Sinne Maßstab – auch für das gesellschaftspolitische Verhalten. 

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