Glaube

Vor Weihnachten kommt man gar nicht mehr mit, so viel wird über den christlichen Glauben und Religiosität überhaupt gesprochen. Auch Bild der Wissenschaft widmet sich wieder diesem Thema. Im „Kompakt“ wird das alles zusammengefasst: „Ob jemand leicht bereit ist, an Übernatürliches zu glauben, entscheidet die Häufigkeit des Botenstoffs Dopamin in seinem Gehirn.“ Am Rande: Nun, das Glückshormon – ist doch schön, oder? Glaubende fühlen sich ständig im Glück. Aber Dopamin im Übermaß hat auch seine Nebenwirkungen: Schizophrenie, Herzrhythmus-Störungen…. Übrigens: Dürften Gläubige dann auch nicht unter Parkinson leiden. Naja, mal sehen, was die Forscher im Jahr 2010 als Grund für den Glauben angeben. „Erkrankungen können die Religiosität bis zum Wahn verstärken oder aber reduzieren.“ (Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wies ist.) „Der alltägliche religiöse Glaube beruht nicht auf speziellen Hirnaktivitäten“ (wie manche erforscht hatten) „sondern vor allem auf den Netzwerken für die soziale und emotionale Informationsverarbeitung.“ Kurz: Glaube ist eher ein soziales und nicht angeborenes Phänomen. Was sollen wir als Christen dazu sagen. Abgesehen von dem Aspekt der „Offenbarung“ – die man ja wissenschaftlich nicht in den Blick nehmen kann – ist das Ergebnis nicht besonders neu. Dann lässt Vater Freud wieder grüßen: Glaube und Autoritätsgläubigkeit… Ängstlichkeit und Kontrollverlust sollen auch Glauben fördern. Da ist ein Dopamin-Reicher ängstlich und kommt dann zum Glauben? Wie kann ein Dopamin-Reicher, der glücklich ist, ängstlich sein? Naja, ist ja auch egal. Nachdem Glaubende diese erhellenden Artikel gelesen haben, haben sie wahrscheinlich eine vermehrte Dopamin-Ausschüttung. Sie sind glücklich über die vielen Wissenschaftler, die sich so ihre Gedanken machen – und sich an den Glauben herantasten. Oder sind sie nicht glücklich – weil in reichen Ländern Glaubende eher depressiver sind? Einen Satz fand ich gut: Ob eine schwarze Katze Unglück bringt, hängt davon ab, ob man eine Maus ist oder nicht. Oder so ähnlich. Nett ist auch „Zur Sache“: Ob einem die „naturwissenschaftlichen Befunde“ erfreuen oder nicht, hängt „von der persönlichen Einstellung in Glaubensdingen“ ab. Man sollte ergänzen: … zu Glaubensdingen?   

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2 Antworten auf „Glaube“

  1. Hier wird ganz schnell ersichtlich, wie kompliziert doch Religion und Glaube ist 😉

    Die Zeit, da ich mir die tägliche (notfalls mehrmalige) Dopamin Zuteilung durch angstmachende Geschichten und Mythen erkauft habe, sind schon länger vorbei.

    LG und Guten Rutsch ins Neue Jahr!

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