Schubladen-Fetischisten

Gestern habe ich einen Beitrag dazu geschrieben, dass alle Gruppen, die sich gesellschaftlich betätigen und Einfluss nehmen wollen, auf einer Ebene stehen – und sich niemand von Kritik ausnehmen darf.

Freilich ist das so, dass Menschen, die in einer langen Tradition der Minderheiten leben, es in der Vergangenheit nicht leicht hatten. Diese sind verständlicherweise etwas empfindlicher gegen Kritik, nicht zuletzt auch darum, weil das mit dem Selbstbewusstsein zusammenhängt. Wenn es immer angekratzt wird, dann wird man empfindlicher und auch unsicherer. Und dass Menschen sich zusammentun, um als Gruppen stärker zu werden, das ist gut, damit sie sich besser behaupten können. Das Problem ist jedoch nur: Auch wenn sie Minderheiten angehört haben und angehören, sagt das nichts darüber aus, dass sie sich dann Dinge herausnehmen dürfen, die sie anderen nicht zugestehen. Wer als Minderheit Mehrheiten hart kritisiert – darf sich nicht wundern, wenn Kritik zurückkommt. Wer sich als Minderheit Traditionen zusammenfügt, um eine Sukzessionskette berühmter Leute hinter sich zu haben (ob die es gewollt hätten oder nicht), darf sich nicht wundern, wenn andere bei der jeweiligen Geschichtsklitterungen nicht mitmachen. Und es war in der Tradition gut so, dass sich auch Menschen der Mehrheit dem Wohl von Minderheiten verschrieben haben. Gerade Christen, die es mit der Nachfolge Jesu ernst nahmen, haben sich hier vielfach positiv hervorgehoben (leider zu viele auch negativ). Fremde annehmen, sie nicht benachteiligen – wie es schon in alttestamentlichen Schriften gefordert wird -, Ausgestoßene und Menschen, die nicht angesehen sind, annehmen – wie es Jesus vormacht – das ist eine gute christliche Tradition. Das Problem tritt allerdings dann auf, wenn eine Minderheit meint, daraus Vorrechte bzw. Sonderrechte ableiten zu müssen. Und darum ging es im gestrigen Beitrag. Und dann gibt es noch Gruppen, die sich herausnehmen, als Minderheit Menschen benachteiligen und drangsalieren, rufmorden und demütigen zu dürfen. Und das kann nur jemand verteidigen, der ideologische Gründe hat und nicht mehr ganz fähig ist, Menschenrechte über die Ideologie zu stellen. 

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