Schublädchen-Fetischisten

Die aggressive Diskussion gegen Islamkritiker ist zum Teil nicht mehr rational nachvollziehbar. Das hängt damit zusammen, dass es um grundsätzliche Auseinandersetzungen über die Richtung in unserer Gesellschaft geht. Und diese Diskussionen werden immer härter, weil manche merken, dass sie nicht mehr die alleinige Deutungshoheit über Worte und gesellschaftspolitische Ereignissen haben. Und dann werden die Anderdenkenden von Schublädchen-Fetischisten in Begriffs-Schublädchen gesteckt: Intoleranz, Nazi, Nationalisten, Rassisten, Stammtischler, Faschisten… Je mehr Leute sich nicht mehr von Schublädchen-Begriffen abschrecken lassen, desto giftiger werden die Volkserzieher, die vorschreiben wollen, was einer zu sagen, zu denken und zu tun hat.

Wir leben in einer Demokratie, zu der es gehört, unterschiedliche Meinungen äußern zu dürfen, ohne dass diejenigen gefährdet werden! Was einer auch sagt und tut, wenn er mal in einem solchen Schublädchen steckt, das wird gegen ihn ausgelegt. Aber das beeindruckt immer weniger Demokraten, immer weniger Menschen, die die Freiheit lieben, die eine Gesellschaft mögen, in denen Totschlagargumente keine Wirkung mehr entfalten. Muslime, Buddhisten, Christen, Atheisten, Parteien und ihre Strömungen, Ideologien von links und rechts, Schwule und Homos, Tiernutzer und Tierauswilderer… – alle versuchen Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen und das ist auch gut so. So muss auch jeder Kritik aushalten und ertragen können – jeder, der in unserer Demokratie leben möchte. Warum sollten der Islam und der Buddhismus davon ausgenommen sein? Warum sollten Linke davon ausgenommen sein? Warum Schwule und Tierschützer? Leute, kommt auf den Teppich: Ihr steht auf derselben Ebene wie die anderen. Wenn man Linke genauso kritisieren kann wie Rechte, wenn man den Islam und den Atheismus genauso kritiseren kann wie Christen, wenn man Journalisten genauso kritisieren kann wie Politiker – dann haben wir Gleichheit erreicht. Sobald sich einige über jede Kritik erhaben wähnen, solange gilt es den Finger auf die Wunden zu legen.

Einigen von Euch wünsche ich nun viel Spaß beim Ärgern!

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