Verfolgung durch Christen

Soziologisch ist es nicht verwunderlich, dass Gruppen, die eine Mehrheit haben, Minderheiten drücken. Das gilt für religiöse Gruppen genauso wie für politische, wie für wissenschaftliche Gruppen. Minderheiten sind eine ständige Versuchung, drohen die Mehrheit zu zerbröseln. Darum werden dann einzelne Menschen, die aus der Mehrheit ausbrechen nicht zimperlich angepackt. Das ist auch in religiösen Gruppen so, in politischen und wissenschaftlichen… Von daher lassen sich manche Unterdrückungen von Christen verstehen, weil sie damit der Mehrheitsgruppe zeigen: Wie ihr lebt – lebt ihr nicht recht. Das gibt es auch unter Christen. Da haben meine atheistischen Freunde nicht unrecht. Auch in letzter Zeit stoße ich immer auf solche Hinweise: Orthodoxe Christen drücken mehr oder weniger schmerzlich und intensiv freikirchliche Gruppen (Russland, Äthiopien), katholische Mehrheit in Mexiko (Chiapas) und anderswo ebenso. Traditionelle Christen grenzen sich von Neuchristen ab (Iran, Indien), z.B. weil sie Angst vor dem Staat haben, der Konversionen verbietet. Auch in unserem Land war es nicht immer so wie es heute ist. Ein alter Mann hat mir mal weinend am Krankenbett berichtet, wie schwer er es als einziges evangelisches Kind in einem katholischen Dorf hatte. Und ich bin sicher, dass es katholische Kinder in einem evangelischen Dorf auch nicht einfacher hatten. Von daher sehe ich so manche Auseinandersetzung von Muslimen in islamischen Staaten auch aus dieser Perspektive. Freilich hat das einen Haken: Während Jesus versuchte, diese Strukturen aufzubrechen – fördert sie der Koran. Während Christen, die das tun, schuldig werden – erweisen sich Muslime in dieser Tat als besonders Allah-fromm.

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