Christenheit 5

Anregende Kultur wird sichtbar in den Gedichten des Ambrosius (+397) – und den ihm zugeschriebenen Liedern. Christliche Philosophen verbanden philosophische Strömungen mit dem neuen Glauben: Clemens, Origenes, Augustin – um nur diese großen Menschen zu nennen. Augustin hat mit seinen „Bekenntnissen“ wohl die Autobiographie entwickelt (+430). Vermutlich hat auch ein christlicher Bischof, Heliodor (3./4.Jh?), den Liebesroman geprägt, um Männer und Frauen die neue christliche Ethik der Enthaltsamkeit nahezubringen (manche meinen, er sei Heide gewesen, um heidnische Frömmigkeit wieder zu propagieren; aber man darf nicht vergessen: auch so große Menschen wie zum Beispiel Boethius (+524?) waren Christen – aber dann doch stark an ihre heidnische Tradition gebunden – es war eine Übergangszeit). Eusebius (+337?) hat vermutlich die erste Geschichte geschrieben, die zielgerichtete Geschichte darstellt: Vom Bösen zum Guten hin auf die Gottesherschaft. Kommentare zu den biblischen Texten waren sehr beliebt und loteten aus den unterschiedlichsten Perspektven die Tiefe biblischer Texte aus. Manuskripte wurden illustriert/illuminiert – und die großartigste, sichtbarste Form waren die Kirchen, christlich inspirierte Basiliken, die Konstantin und andere mit ihrem Reichtum gefördert haben. Das Christentum begann auch, die heidnische Philosophie zu beeinflussen : Plotin (+270), der Neuplatoniker, hatte einen Lehrer christlicher Abstammung – und diese Philosophie beeinflusste viele (nicht nur christliche) Denker in den späteren Jahrhunderten (freilich wird der Neuplatonismus von vielen auch als Verfall der wahren Philosophie angesehen – aber sich von diesem und jenem abzugrenzen, das gehört zum Geschäft). Wichtiger als diese Punkte war jedoch der langsame Einfluss des Christentums auf die Ethik – und diese war es auch vielfach, die die Menschen bewundert haben: In all dem sexuellen Chaos wurde Enthaltsamkeit und Ehe betont, in all der Menschenverachtung wurden ausgesetzte Kinder aufgenommen, treues, gewissenhaftes Arbeiten – welcher Arbeit man auch immer nachgeht – wurde gefordert; die Gleichheit und Gemeinschaft der Menschen: Mann und Frau, Sklave und Freier, Grieche und Nichtgrieche; Kranke und Sterbende wurden gepflegt; keiner durfte verachtet werden… Diese Menschen versuchten, in all die täglichen Grausamkeiten hinein etwas Neues durchzusetzen: den Willen Gottes, die Liebe. Und diese Liebe Gottes zu den Menschen, die auch von Menschen entsprechendes Verhalten forderte – das war eine Erneuerung, die in der heidnischen Umwelt ihresgleichen suchte: Es war keine Ethik für die oberen 100, sondern eine Ethik für viele. Jeder normale Mensch konnte wissen: Ich bin für Gott wertvoll und werde darum auch für andere Wertvolles tun. Dass diese Ethik freilich nicht alle angesprochen hat, dass – vor allem dann, als das Christentum politische Macht bekommen hatte – auch so mancher sich nur mit christlicher Farbe angepinselt hatte, das muss nicht gesagt werden. So musste zum Beispiel Johannes Chrysostomos (+407) vieles erleiden, weil er sich nicht scheute, selbst der „christlichen“ Kaiserin und dem Kaiser wie auch anderen Mächtigen und Reichen massive Vorhaltungen wegen ihres unchristlichen und unmenschlichen Handelns zu machen.

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