Christenheit 3

Christen konnten in Europa zunächst nicht viel zur Kultur beitragen, weil Europa durch Völkerwanderungen und den Hunnen in einem sehr desolaten Zustand war. Herrscher kamen und gingen – bzw. wurden gegangen… Alles verarmte, war unsicher, von Krankheit und Tod bedroht: Die Bevölkerung war massiv dezimiert worden durch Seuchen, Kriege, Versklavungen. Das war das große Verdienst des christlichen Glaubens – und da vor allem das Verdienst der Klöster, langsam aber sicher diese verschiedenen europäischen Stämme zu durchdringen, langsam aber sicher ein einheitliches ethisches Level zu schaffen, Bildung zu fördern, disziplin, Gesundheit, Nahrung. Freilich nicht alles aus sich heraus, sondern auf den Schultern der römisch-germanischen Tradition. (Am Rande: Vieles der grausamen Rechtsprechung [so genannte Gottesurteile] waren keine Erfindungen des Christentums, sondern Übernahme germanischer Traditionen.) Und das ist der große Unterschied zur Entwicklung des Islam: Die Durchsetzung des Glaubens vollzog sich kaum gewaltvoll (wie schon Blog vom 27.7. dargestellt), sondern langsam vernetzten sich durch die Klöster die unterschiedlichsten Gebiete. Der christliche Glaube wurde nicht nur von römisch-katholischen Missionaren verbreitet, sondern auch durch von Rom unabhängigen iro-schottischen Mönchen (6./8. Jh.). Auch die politischen Räume, die die Herrscher schufen, trugen dazu bei – aber bei ihrem Zerfall blieben diese vernetzten kirchlichen Strukturen erhalten und konnten trotz politischer Unsicherheiten weiterhin bestehen. Ebenso waren die Fürstentümer häufig kleine Parzellen – und durch die Vernetzung der Klöster bzw. der Kirchen gaben sie dem Ganzen ein einheitlicheres Bild und trugen sehr zur Einheit Europas bei (Fortsetzung folgt. — Zu Klöstern, die für unsere europäische Kultur prägend waren, folgt irgendwann mal ein eigener Beitrag.).

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