Christenheit 2

Dass sich im Römischen Reich christliche Gemeinden bildeten, bedeutet nicht, dass alle ethisch auf eine Linie gebracht wurden. Auch als Christen mit Konstantin politisch anerkannt wurden, wurde nicht gleichzeitig christliche Ethik durchgesetzt. Gladiatorenkämpfe gingen weiter – als ein Mönch in die Arena sprang und gegen diese Menschenmorde protestierte, wurde er von den Zuschauern umgebracht. Dieses aufgeputschte, aggressive Verhalten äußerte sich auch in den Auseinandersetzungen innerhalb des Christentums. War Maria Gottesgebärerin oder nicht? Durften Bilder gemalt werden oder nicht? War Jesus ganz Gott oder nicht? War das Abendmahl, das unreine Priester spendeten, gültig oder nicht? usw. usw. – Es ging in vielen dieser Fragen nicht allein um Theologie, sondern häufig auch um Macht, um Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Stämmen und Völkern, zwischen politischen Richtungen, es ging darum, Einfluss auf die Politik des Kaisers zu bekommen. Diese Fragen erregten viele Gemüter, sodass sie ihre Fäuste gegeneinander erhoben, ihre Messer und was weiß ich schwangen, sich gegenseitig exkommunizierten, den Mob aufstachelten. Und so entwickelten sich unterschiedliche Richtungen: die westliche römisch-katholische Kirche, die östliche orthodoxe Kirche, daneben waren dann viele Germanen Arianer (Arianer sehen Jesus Gott untergeordnet und betonen sein Menschsein), die sich im Laufe der Zeit dem römisch-katholischen Glauben anschlossen, und Nestorianer (Nestorianer meinten, Jesus bestehe aus dem Nebeneinander der göttlichen und der menschlichen Person) kamen missionierend – ohne Gewalt – bis hin nach China und in die Mongolei (der Mongolenherrscher Timur Lenk wollte im 14. Jahrhunderte den Islam durchsetzen und zerstörte diese Kirche bis auf kleine Reste). In all diesen Auseinandersetzungen fanden die Glaubenden doch immer wieder in der Mitte zusammen – freilich ist das, was ich als Mitte bezeichne, relativ. 

Am Rande sei erwähnt, dass heute doch immer stärker die Einheit der Kirchen in den Vordergrund rückt: die koptische Kirche leidet, die armenische Kirche leidet… – und da spielen dann die alten theologischen Streitpunkte keine ganz so große Rolle mehr. Freilich tun manche noch so, als seien einzelne theologische Differenzen über den Glauben an Jesus Christus, der alle eint, zu stellen; auch in unserem Land. (Fortsetzung folgt.) 

Impressum auf  www.wolfgangfenske.de+++ www.thema-wolfgangfenske.de