Islam-Sklaverei 2

Ich wüsste nicht, dass ein einziges mächtigeres Volk ohne Sklaverei bzw. Sklavenhandel ausgekommen ist: Wikinger waren dabei, wie schwarzafrikanische Herrscher, südamerikanische Völker ebenso. Aber gerade die Sklaverei zeigt, was für eine Schande auch Staaten auf sich geladen haben, die sich dem christlichen Glauben verbunden wussten – bis hin zu Päpsten, die Versklavungen duldeten und begründeten. (Italien selbst war ja zum Teil ein Gebiet, aus dem muslimische Herrscher ihre Sklaven holten.) Es war dann nicht die alte Religion, sondern der neue Gott: die Produktion, der Kapitalismus, die Kolonialisierung wenig besiedelter Gebiete, die diese forderten und förderten.

Von den neutestamentlichen Schriften selber her gibt es ambivalente Aussagen. Sklaverei war in römischer Zeit normal – was der christliche Glaube mit seinen winzigen Gemeinden bot, war die Gemeinschaft von Sklaven und Herren in der Gemeinde. Und wenn einer Christ geworden ist, dann galt es, den Sklaven auch als Bruder zu sehen (Paulus an Philemon) – ein Freier stand in der Gemeinde bzw. vor Gott nicht über dem Sklaven. Gesamtkonzepte gab es nicht – weil es die Perspektive, einmal mächtig zu sein, nicht gab. Doch im Norden von Mitteleuropa, als auch hier die Sklaven in die islamische Welt entführt wurden, wandten sich immer mehr Äbte, Fürsten und Städte gegen den Sklavenhandel (und für Leibeigenschaft). Der Sachsenspiegel von 1235 (Eike von Repgow) wendet sich mit Hinweisen auf Wort und Leben Jesu gegen die Versklavung von Menschen – und: der Mensch gehöre nur Gott, keinem Menschen.  Aber letztlich siegte doch die Geldgier – der Markt war zu groß. Wie es dann zu der Abschaffung der Sklaverei kam? Dazu haben unter anderem Könige beigetragen (Philipp der Schöne und Nachfolger) – auch mit der Begründung, jeder Mensch ist Ebenbild Gottes – und muss frei sein. Menschenrechte wurden immer bedeutender. Im 16. Jahrhundert wurde Freiheit mit der Begründung verlangt, dass das Sterben Christi alle Menschen befreit habe. In Amerika haben die Quäker massiv zur Sklavenbefreiung beigetragen – aber das ist ein eigenes Thema. Das zähle ich zu der größten menschlichen Errungenschaft unserer europäischen und amerikanischen Kultur – die wohl so manche noch unterlaufen – und damit zähle ich diesen genannten Teil des Sachsenspiegels mit zu den bedeutendsten Werken in puncto Menschenrechte. (Übrigens: Was das Thema Sklaverei betrifft, ist der wikipedia-Artikel nicht brauchbar.)

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