Islam-Kultur 3

Nun: Als Mohammed das Licht der Welt erblickte – erblickte er es im arabischen Raum. Als Dichter – als den ihn viele seiner Zeitgenossen angesehen haben, wie der Koran selbst bezeugt – hat er die islamische Kultur mit dem Koran geprägt. (Übrigens war Mohammed nicht besonders begeistert darüber, dass man ihn den Dichtern zuordnete.) Was aber die Künste allgemein betrifft, hat der Islam die arabischen Traditionen mit den Kulturen der eroberten Gebiete verbunden. So sind die berühmten 100o und eine Nacht-Geschichten indischen Ursprungs und wurden ein wenig islamisiert. Als dann die Perser das Sagen hatten, wurde persische Literatur verbreitet – und ihr berühmtester Schöpfer ist Rumi, der Mystiker – vor allem er hat die Liebe in den Islam hineingebracht (Mathnawi). Da man im Islam keine Bilder malen durfte (auch ein Beitrag zur Kultur), hat man sich auf Ornamente und Kalligraphie spezialisiert. Wunderschöne Werke waren die Folge. In der christlichen Kunst versuchten Künstler, das Himmlische und Irdische in Jesus-Bildern  zu vereinen. Im Islam versuchte man das durch das Schreiben des Namens Allahs. Moschee-Bau – als solche keine neue Erfindung Mohammeds, sondern nach dem Vorbild anderer arabischer Bauten – auch von Kirchen – entstanden, wurden künstlerisch immer weiter ausgestaltet und verbreiteten sich aufgrund der Eroberungszüge auch in die nicht arabische Welt. Was gibt es noch an Kultur? Dichtkunst wurde genannt, Bilder, Architektur – habe ich was vergessen? — Aber auch hier zeigt sich: Kultur ist auch abhängig von den Erfahrungen und Beobachtungen der Vorfahren. Dichtkunst war schon verbreitet – und welche wunderbaren Texte hinterließen uns: Juden, Griechen, Römer, und noch ältere Völker. Musik hinterließen sie, Bildhauerei… Aber es gab in den jeweiligen Kulturen bestimmte Ausprägungen: eben in der christlichen Kunst die Personenabbildungen – in der islamischen die Kalligraphie. Oder ein Johann Sebastian Bach, ein Michelangelo – oder die großartigen Dome (Deo optimo maximo bzw. domus dei) bzw. die Moscheen… Und dann gab es immer Menschen, die ihre Kultur abschotten wollten oder danach trachteten, ihre „reine“ Kultur vor anderen zu schützen. Es gab viel Leid und Blut (gegenwärtig z.B. Taliban und andere Extreme, die Musik verbieten). Aber durchsetzen werden sich diese Gruppen auf Dauer nie. Das ist doch auch beruhigend, dass der Mensch trotz solcher gewaltsamen Umerziehungsmaßnahmen immer noch Mensch bleibt.

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