Muslime in Europa: Spanien 1

Bis jetzt haben wir den Aufstieg eines kleinen Nomadenstamms zu einem Großreich verfolgt. Doch auch andere muslimische Stämme waren nicht faul. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts machten sich muslimische Nordafrikaner auf, Spanien zu erkunden. Es wurde reiche Beute gemacht und man fuhr wieder heim. Die reiche Beute ließ auf weitere Reichtümer schließen, die man sich nicht entgehen lassen wollte. – Vielleicht war es auch so, dass ein europäischer Herrscher muslimische Unterstützung brauchte, um sich gegen einen anderen europäischen Herrscher zu schützen – was dann, wie schon in anderen Teilen Europas gehabt, von den muslimischen Bundespartnern dazu genutzt wurde, das Land auszukundschaften – um es dann einzunehmen. Wie dem auch sei, als der dortige Herrscher in die Zentrale nach Damaskus abberufen wurde, ging er noch mal kurz über die Pyrenäen und nahm dann auf seine Reise in den Osten viele, viele Reichtümer mit – und unzählige Sklaven. Die hinterbliebenen Herrscher lieferten sich zahlreiche Gemetzel und Intrigen. Weiter nach Mitteleuropa kamen sie freilich nicht, weil Karl Martell (Hammer), der fränkische Hausmeier, etwas gegen diese Plünderungen hatte und das arabische Heer in die Schranken wies – somit blieb es in Spanien. Hier scheinen manche Einheimische die neuen Herrscher willkommen geheißen zu haben, weil man sich von ihnen bessere Lebensbedingungen versprochen hatte. So mancher konvertierte, was freilich von den neuen Herrschern nicht unbedingt bejubelt wurde, weil die Konvertiten keine Dhimmi-Abgaben (Schutzgelder) zahlen mussten – und Geld war gern gesehen. Den Kirchen ging es auch darum gar nicht gut, weil derjenige, der den Herrschern am meisten Bakschisch geboten hatte, Bischof werden konnte, auch dann, wenn er Muslim war. Tja, und wie es konvertierten Verrätern so geht – sie saßen zwischen allen Stühlen: die Araber mochten sie nicht und die tapferen Christen mochten sie auch nicht.

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